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Feuilleton: In einer Tunika zum Römer werden

VON CARSTEN GREIWE - zuletzt aktualisiert: 21.05.2006 - 22:00

(NGZ) Neuss Das eiserne Kettenhemd eines römischen Legionärs hängt bedeutungsschwer in der römischen Abteilung. „Welcher der Väter traut sich denn, es einmal anzuziehen?“, fragt die Museumsführerin.

In rote Tuniken gehüllt - ganz wie die alten Römer - entdeckten gestern zahlreiche Kinder die römische Abteilung im Clemens-Sels-Museum. Den Internationalen Museumstag nutzten ganze Familien, um die Ausstellungsstücke kennen zu lernen. Foto: A. Woitschützke

In die sekundenlange Pause ruft ein kleiner Junge: „Papa, mach Du mal!“ Also musste Papa das zehn Kilo schwere Kleidungsstück, das seinen Träger gegen Lanzenhiebe und Pfeile schützen sollte, überwerfen. Natürlich lichtete Mama den etwas unglücklich dreinschauenden Ehegatten als Erinnerung fürs Familienalbum ab.

Gestern war „Internationaler Museumstag“, und seit einer Reihe von Jahren beteiligt sich auch das Clemens-Sels-Museum daran. „Mit diesem Tag sollen breite Bevölkerungsschichten angesprochen werden“, erläutert der stellvertretende Museumsdirektor Dr. Thomas Ludewig. Dieses Mal stand der Tag unter dem Motto: Museen und junge Besucher.

Info

Museumstag

Der Internationale Museumstag findet weltweit statt und erlebte jetzt seine 29. Auflage. Jedes Jahr wird dafür ein neues Motto festgelegt. In Deutschland ist der Präsident des Bundesrates Schirmherr der Aktion - Peter Harry Carstensen.

Unter anderem durften die Kleinen einmal Römer spielen und so die antike Vergangenheit des alten Novaesium nachempfinden. Dazu schlüpften sie in rote Tuniken, dem Kleidungsstück aus römischer Zeit.

„Die Jungen tragen sie bis zum Knie, die Mädchen bitte bis zur Wade“, gibt die Führerin vor. Römische Sittlichkeit im modernen Neuss. Feldzeichen, Schwert und Schild aus Holz illustrieren die militärischen Accessoires der Legionäre, wie sie auch vor mehr als 2000 Jahren in Neuss anzutreffen waren. Dazu erhalten die jungen Besucher sachliche Erläuterungen zur Geschichte.

„Bis zum 12. Lebensjahr kommen viele mit ihren Eltern ins Museum, dann bricht der Strom ab“, berichtet Ludewig. Der Museumshistoriker ist sich bewusst, dass dann ein Alter beginnt, in dem viele Jugendliche kaum mehr ins Museum gehen.

Von den Teenies kommen nur die „Streber“, wie Ludewig meint, jene, die mit ihrem Interesse für Kunst, Musik oder Geschichte keine Anerkennung finden. „Das ist aber ein sehr dankbares Publikum“, sagt er. Beim Museumstag fand sich immerhin auch eine Veranstaltung für diese Gruppe.

Die weiteren acht Programmpunkte richteten sich vor allem an kleine und große Kinder. Darunter auch die beliebte Form des „Kinder führen Kinder“, wobei es um „märchenhaften Schmuck aus zwei Jahrtausenden“ ging. Zu Beginn wurden die Kleinen darauf hingewiesen, wie man sich in einem Museum zu verhalten habe. „Bitte nichts anfassen, außer ich erlaube es ausdrücklich“, sagte die Führerin. Doch es ging auch anders. „Bitte anfassen“, lautet das Motto einer weiteren Führung. Dazu stellte das Museum ausgewählte Objekte zur Verfügung.

Ludewig weiß, dass auch solche Museumstage nicht alle Bevölkerungsgruppen erreichen. „Die bildungsfernen Schichten kommen selten zu uns“, meint der Historiker.Dafür hat die Stadt Neuss ein anderes Konzept entwickelt. Unter dem Motto „Jugend und Kultur“ sollen jugendliche „Kultus-Scouts“ ihre Altersgenossen an die Hand nehmen.

Quelle: NGZ

 
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