"Paranormal Activity": Billigfilm erobert dank Internet die Kinos
zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 17:23Berlin (RPO). Der Horror-Streifen hätte es wohl nie in die Kinos geschafft. Bis im Internet der Hype um "Paranormal Activity" begann. Der Film ist ein Low-Budget-Projekt, gedreht wurde er ähnlich wie "The Blair Witch Project" im Stil von Dokumentationen. Dann entdeckte die Community den geschickt platzierten Trailer bei "Youtube".
Das nennt man eine ordentliche Gewinnspanne: Gerade mal 11.000 Euro soll Oren Pelis Thriller "Paranormal Activity" gekostet haben, und bereits jetzt hat er mehr als 50 Millionen Euro eingespielt. Dass die 2007 gedrehte Billig-Produktion sich zu einem solchen Erfolg aufschwingt, dürfte nicht zuletzt den Regisseur und Drehbuchautor Oren Peli überraschen. "Paranormal Activity" gibt vor, aus dokumentarischem Material montiert zu sein, nämlich vermeintlich authentischen Aufnahmen, die das junge Paar Katie und Micah in ihrem neuen Haus gemacht haben.
Immer wieder werden sie in der Nach von merkwürdigen Geräuschen und Geschehnissen aus dem Schlaf gerissen. Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, filmen sie sich tagsüber gegenseitig und lassen nachts eine Videokamera in ihrem Schlafzimmer mitlaufen. Verwackelte Bilder und in der ersten Hälfte reichlich belangloses Alltagsgeplänkel des von den paranormalen Phänomenen geplagten Paares sollen die Authentizität der Bilder unterstreichen.
Virale Werbekampagne
Die Idee, pseudo-dokumentarisches Material zu verwenden, ist auch im Horrorgenre nicht mehr ganz neu. "Cloverfield", "ÄRECÜ" und der Klassiker "The Blair Witch Project" funktionieren auf ähnliche Weise, doch wurden die Horroreffekte dort effektiver und gruseliger eingesetzt als dies bei "Paranormal Activity" der Fall ist. Die Reaktionen auf den Film waren daher nach der Uraufführung beim Sundance-Filmfestival in Utah vor zwei Jahren auch eher verhalten.
Der US-Verleih Paramount Pictures allerdings glaubte an das kommerzielle Potential, zahlte nach Branchenberichten rund 200.000 Euro für die Rechte und investierte nochmal rund sieben Millionen Euro in eine ausgeklügelte Internetkampagne.
Trailer auf Youtube machte neugierig
Auf dem Internetportal YouTube war zunächst nur ein Trailer zu sehen, der Sequenzen des Schauermärchens und die erschreckten Gesichter von Kinozuschauern kombinierte. Gezeigt wurde der Film allerdings zunächst in gerade einmal einem Dutzend Collegekinos.
Erst wenn sich eine Million Menschen per Mausklick einen regulären Kinoeinsatz wünschten, würden Katies und Micahs Erfahrungen mit paranormalen Aktivitäten landesweit zu sehen sein. Es dauerte keine zwei Wochen, bis der US-Verleih eine Million Neugierige gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der kleine Film durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Internetforen zum vieldiskutierten Hype geworden.
Wiederholen lässt sich der hierzulande natürlich nicht mehr. Längst hat sich auch herumgesprochen, dass "Paranormal Activity" zwar mit einem sich gemächlich aufbauenden Spannungsbogen und überraschenden Soundeffekten aufwarten kann, aber eine ausgefeiltere Mythologie und eine nachhaltige Story vermissen lässt. Vielleicht wird dies dann in der bereits angedachten Fortsetzung von "Paranormal Actitivy" nachgeliefert.



































