Vor dem ersten Bundesliga-Auftritt des Dormagener HC Rheinland heute Abend gegen den THW Kiel treibt Trainer Kai Wandschneider eine Sorge um: Dass seine überwiegend jungen Spieler vor dem "Klubweltmeister" und Titelverteidiger in Ehrfurcht erstarren.
Die Kräfteverhältnisse sind eindeutig geklärt vor dem Anpfiff heute Abend: "Die Kieler sind Klubweltmeister, wir liegen ungefähr auf Rang 50 der Klubweltrangliste", sagt Kai Wandschneider vor dem ersten Auftritt des DHC Rheinland in der Handball-Bundesliga, der um 19.45 Uhr den THW Kiel zu Gast in der HRC-Arena sieht.
Dem Dormagener Trainer ist davor nicht bange. "Wir haben doch nichts zu verlieren", stellt der 50-Jährige klar und verweist bei dieser These allein schon auf die Unterschiede im Etat: Kiel ist mit 9,5 Millionen Euro Branchenführer, der DHC stellt mit seinen 1,3 Millionen das Armenhaus der Liga dar.
Anfahrt nur über B 9
Weil die Kreuzung der Bayer-Straße mit der Straße An der Römerziegelei in Höhe des ehemaligen Werks-Casinos umgebaut wird, ist die Zufahrt zur HRC-Arena derzeit nur eingeschränkt möglich. Die Werksparkplätze unterhalb der B 9 können nur über die B 9 angefahren werden. Die Parkplätze an der Römertherme sind nur aus der Gegenrichtung über die Bayer-Straße (von der Europastraße aus) zu erreichen.
Geld wirft zwar keine Tore, aber es erleichtert das Erzielen derselben ungemein: Abgesehen von Rechtsaußen Tobias Reichmann hat der THW nur gestandene Nationalspieler im Kader. Reichmann ist 22, der Isländer Aron Palmarsson 20, Ersatztorhüter Andreas Palicka 24 und Dominik Klein 26 Jahre alt. Alle anderen Kieler haben 27 und mehr Lebensjahre auf dem Buckel.
Dem stellt Wandschneider heute Abend in seiner Startformation (Angriff) folgendes Altersgefüge entgegen: ein 27-Jähriger, zwei 23-Jährige, zwei 22-Jährige, ein 21-Jähriger und ein 19-Jähriger. "Ich bin gespannt, wie sie mit diesem Druck fertig werden, physisch und mental", sagt der Trainer. Seine größte Sorge: "Es ist fast körperlich zu spüren, wie gerade die neuen Spieler ganz großen Respekt vor Kiel haben. Für die ist das keine Herausforderung, für die ist das ein Erlebnis, gegen den besten Klub der Welt spielen zu dürfen."
Doch Respekt könnte tödlich sein für die Art und Weise, wie die Dormagener Handball spielen. Sie brauchen den Kampf, sie brauchen Emotionen, sie brauchen Aggressivität, um ins Spiel zu kommen – das haben die beiden grundverschiedenen Halbzeiten im letzten Testspiel gegen GWD Minden noch einmal deutlich vor Augen geführt. Wandschneider hofft da auf Unterstützung von außen: "Ich setze, ja ich appelliere an die Fans – sie müssen die Jungs bei dieser Herausforderung unterstützen."
2100 Karten waren bis gestern verkauft (davon 1000 Dauerkarten) – da ist also noch Luft nach oben. Auf ihre Kosten sollten die Fans auf jeden Fall kommen, nicht allein wegen des Weltklasseaufgebots der Gäste, sondern auch, wenn die Dormagener die Worte ihres Trainers beherzigen: "Das wichtigste aus unserer Sicht ist, dass wir unsere Linie halten, egal, was passiert."
Und er hofft, dass seine Schützlinge noch eine Lehre aus dem letzten Testspiel ziehen: "Wir müssen von der ersten Sekunde an hellwach sein." So wie beim sensationellen 28:28-Unentschieden, das die Dormagener auf den Tag genau vor zwei Jahren in der Ostseehalle ertrotzten. Aus den damaligen Aufgeboten sind bei den Gästen noch acht Spieler (Omeyer, Palicka, Andersson, Lundström, Ahlm, Zeitz, Klein, Jicha) dabei. Beim DHC reduziert es sich auf Vitali Feshchanka und Maciej Dmytruszynski.
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