Im letzten Testspiel vor dem Saisonstart am Freitag gegen den Deutschen Meister THW Kiel überzeugte Handball-Bundesligist Dormagener HC Rheinland nur phasenweise. Vor allem beim Verwerten der Tormöglichkeiten müssen die Dormagener sich steigern.
Kai Wandschneider redete erst gar nicht lange um den heißen Brei herum nach der 25:28-Niederlage gegen GWD Minden: "Wenn wir gegen Kiel so spielen wie in der ersten Halbzeit, liegen wir schon zur Pause mit 20 Toren hinten." Im letzten Testspiel seiner Schützlinge vor dem Saisonstart betrug der Rückstand nach dreißig Minuten "nur" fünf Tore.
Doch der Deutsche Meister dürfte am Freitag (19.45 Uhr, HRC-Arena) die technischen Fehler und schwachen Würfe, die sich der Dormagener HC Rheinland in der Anfangsphase leistete, wesentlich gnadenloser zu Gegenstößen nutzen als die Mindener. Und der THW dürfte auch kaum zulassen, dass sich die Dormagener nach der Pause in eine schon verloren geglaubte Partie zurückkämpfen, dass ihnen nach 40 Minuten der Ausgleich und 180 Sekunden später sogar die erste (und einzige) Führung gelingt.
"Da hatten wir endlich die Aggressivität, die uns zu Beginn vollkommen gefehlt hat", meinte Wandschneider, "und wir hatten endlich eine Torhüterleistung." Denn während Vitali Feshchanka in den ersten 17 nur einen und Jens Vortmann in den darauffolgenden 13 Minuten nur zwei Bälle abwehrten, glänzte Vortmann nach der Pause mit acht Paraden. Und stürzte damit seinen Trainer in ein Entscheidungs-Dilemma, denn eigentlich galt Feshchanka nach den Leistungen aus der Vorbereitung an Nummer eins gesetzt.
Solche Zwickmühlen hätte Wandschneider gerne auch auf anderen Positionen. Auf Rechtsaußen stand Daniel Wernig am Sonntag gänzlich neben seinen Handballschuhen, so dass später anstelle des Ex-Frankfurters die eigentlich für die Halbposition vorgesehenen Kristian Nippes und Arni Thor Sigtryggson sich dort abwechselten.
In der Mitte unterliefen Kentin Mahé viel zu viele Ballverluste, als dass sich der 19-Jährige für die Anfangsformation aufgedrängt hätte. Nur: Marko Krsmancic wirkt viel zu schüchtern und gehemmt, um die Regiefunktion an sich zu reißen. "Er ist noch zu stark mit sich selber beschäftigt", mutmaßt der Trainer über den 20 Jahre alten Zukauf aus Serbien. Die in der Vorbereitung erprobte Alternative mit Max Holst als Mittelmann fällt derzeit freilich weg, weil der gelernte Linksaußen angesichts der Verletzung von Michiel Lochtenbergh auf seiner Stammposition gebraucht wird – der Niederländer geht davon aus, dass er frühestens gegen die SG Flensburg-Handewitt (15. September) wieder im Aufgebot steht.
Luft nach oben besitzt der DHC auch noch auf der "Königsposition" im linken Rückraum: Sowohl Sigrubergur Sveinsson, der sein Vermögen im zweiten Durchgang wenigstens andeutete, als vor allem Ex-Nationalspieler Jan-Olaf Immel, der vollkommen blass blieb, müssen sich erheblich steigern, um einen Christoph Schindler oder Florian Wisotzki zu ersetzen.
Schwarz sieht Wandschneider trotzdem nicht: "Die Jungs machen von Woche zu Woche Fortschritte. Man darf nicht vergessen, dass wir erst seit fünf Wochen in dieser Formation im Training sind." Dumm nur, dass die Kieler darauf wohl kaum Rücksicht nehmen werden.
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