Handball paradox: Die Besiegten waren obenauf, die Sieger mussten Kritik einstecken am Freitagabend nach der 25:32-Niederlage des DHC Rheinland gegen den Deutschen Meister THW Kiel. Die NGZ zeigt auf, warum sich die Dormagener Fans auf die gerade gestartete Saison freuen können.
Fußball, hat der englische Stürmer Gary Lineker einst gesagt, "ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler 90 Minuten lang hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland." Beim Handball ist das anders: Da kämpfen 14 Mann um das Spielgerät und am Ende siegt immer der THW Kiel.
So war das auch am Freitagabend: 53 Minuten lang mühte sich der Deutsche Meister, um im Armenhaus der Liga Erfolg zu haben. 53 Minuten lang ärgerte der Dormagener HC Rheinland in seinem ersten Bundesliga-Auftritt das mit dem neunfachen Etat ausgestattete Starensemble, um am Ende dann doch mit 25:32 unterzugehen. Die (zu) hohe Tordifferenz, zu der auch das eifrig Meisterbonus verteilende Schiedsrichtergespann Moles/Pittner sein Scherflein beitrug, war der einzige Schönheitsfehler eines zumindest aus Sicht der Gastgeber großen Handballabends.
Kentin Mahé
Geboren 22. Mai 1991
Größe 184 Zentimeter
Gewicht 75 Kilogramm
In Dormagen seit 2000
Besonderheit Vater Pascal Mahé war mit Frankreich Weltmeister und Olympiadritter
"Mit vier Toren zu verlieren wäre okay gewesen, sieben waren zu hoch", meinte Kai Wandschneider mit Blick aufs Endergebnis. Der Trainer der Hausherren wirkte trotz der Niederlage "erleichtert", ganz im Gegensatz zu seinem Kieler Kollegen Alfred Gislason, der zugab, beim Pausenstand von 15:15 seinen Schützlingen ein paar deutliche Worte gesagt zu haben. Und der hinterher grantelte: "Vom Kopf her steckt meine Mannschaft irgendwie noch in der Vorbereitung." Die Dormagener hingegen wischten die eher schwachen Eindrücke aus der Testspielzeit mit einem couragierten Auftritt hinweg. Der freilich nicht überbewertet werden darf: Nicht jeder Gegner wird den DHC so mitspielen lassen wie der THW. Die NGZ zeigt Plus und Minus der "Rheinländer" auf:
Das war gut Da ist als erstes die Einstellung zu nennen: Auch ein 0:4-Rückstand (4.) oder ein 4:9 (11.) brachte den DHC nicht aus dem Konzept. Die jungen Spieler mit Erstliga-Erfahrung waren spielbestimmend: Kristian Nippes, nachdem er seine Nervosität abgelegt hatte, Kentin Mahé, so lange die Kraft reichte, und Max Holst – fünf Siebenmetertore aus fünf Versuchen gegen Thierry Omeyer und Andreas Palicka sind aller Ehren wert. Die neuen Isländer haben das Potenzial zu echten Verstärkungen, wenn sie mental und physisch angekommen sind. Und Jan-Olaf Immel ist genau der Ruhepol, den die junge Truppe braucht – wenn er selbst nicht zu viel riskiert.
Das geht noch besser Das größte Steigerungspotenzial besitzen die Torleute: Vier (Feshchanka) und drei (Vortmann) Paraden sind auch gegen die THW-Wurfmaschinen zu wenig. Omeyer wehrte 15 Bälle ab, Palicka in zwei Minuten zwei. Am Ende unterliefen im Angriff ähnlich leichte Fehler wie zu Beginn, da fehlt sichtlich die Feinabstimmung.
Fazit Trotzdem dürfen sich die Dormagener Fans auf die neue Spielzeit freuen. Der DHC ist nicht bloß Kanonenfutter . Doch Komplimente reichen nicht zum Klassenverbleib – das tun nur Siege.
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