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Dormagen: Sprechstunde bei Kerzenschein

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 15.03.2006 - 21:30

Dormagen (NGZ) Dormagen Kerzen weisen im Ärztehaus den Weg. Schummriges Licht in der Praxis im dritten Stock des Ärztehauses an der Krefelder Straße. Es ist 20.30 Uhr. Das Wartezimmer ist voll. Patienten sitzen im Dunkel, die Praxisräume sind spärlich mit Grabkerzen beleuchtet. Während der Hausherr im Nebenraum behandelt, machen einige Patienten ihrem Ärger Luft - Wasser auf die Protestmühlen der Ärzte.

Ärzte-Sprechstunde bei Kerzenlicht im Ärztehaus Krefelder Straße: Patientin Karin Altemeier, die Ärzte Dr. Karl Heikaus, Stephan Manitz, Dr. Norbert Sijben, Dr. Achim Klein, Patient Addi Gassan beim Eintrag in die Beschwerde-Liste und Arzt Dr. Peter Tosetti. Foto: Hans Jazyk

Stephan Manitz, Allgemeinmediziner aus Stürzelberg steht im Flur, erläutert seine Lage. „Ich habe eine große Praxis, doch das zahlt sich nicht aus. Nach gut der Hälfte des Quartals bekomme ich meine Arbeit nicht mehr bezahlt, zahle drauf.“ Ungläubiges Staunen bei einigen Patienten. „Wo bleibt das ganze Geld von unseren Beiträgen?“, fragt eine ältere Frau in die Runde. Patienten in Angst.

„Ich muss befürchten, dass ich demnächst lebenswichtige Medikamente nicht mehr erstattet bekomme. Sie sind zu teuer, ich kann sie selbst nicht bezahlen“, sagt Karin Altemeier. Maria Jackmuth, die an Rheuma leidet, bekommt bereits jetzt schon keine Wassergymnastik mehr verschieben: „Das war das einzige, was wirklich geholfen hat.“ Einige Patienten sind sauer, dass sie nicht mehr so versorgt werden wie früher.

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Protestaktionen

Der nächste Protest der Ärzte ist für den 24. März vorgesehen. Für diesen Tag ist eine weitere Demonstration in Berlin mit bundesweiter Beteiligung vorgesehen. Von Dormagen aus wird ein Bus nach Berlin fahren. Für die letzte März-Woche kündigt eine Reihe von Ärzten die Praxis-Schließung bis Anfang April an. Nähere Auskünfte erteilen die Praxen.

Elke Stein, Vorsitzende der Rheuma-Liga in Dormagen: „Wir bekommen in unserer Gruppe immer wieder zu hören, dass chronisch Kranke immer verzweifelter werden, weil sie nicht mehr die Mittel bekommen, die sie brauchen.“ Erfahrungen, die Lothar Rupprecht von der Diabetes-Selbsthilfe-Gruppe gewohnt wortgewaltig teilt: „Die Mittel, die für die Diabetiker am besten helfen, sollen demnächst nicht mehr verschrieben werden. Das ist unglaublich.“

Ein Weg für preiswertere Medikamente wäre die geringere Mehrwertsteuer von sieben Prozent, schlägt Allgemeinmediziner Dr. Peter Tosetti vor. Für Patientin Heidelore Schumacher ist der derzeitige Zustand unglaublich: „Für Hundefutter und Pornohefte wird nur die Hälfte der Mehrwertsteuer verlangt, bei Medikamenten wird das strikt abgelehnt.“

Sie kommt mit den ihr verschriebenen Billig-Präparate nicht zurecht: „Ich vertrage diese Mittel einfach nicht.“ In ihrer Verzweiflung denkt sie darüber nach, ob sie die teuren Mittel aus der eigenen Tasche bezahlen soll.

Peter Schmidt empört sich: „Die Krankenkassen-Beiträge sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen, irgendwo muss das Geld doch geblieben sein.“ Bei den Ärzten jedenfalls nicht, versichern Manitz, Tosetti und Dr. Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft, der zu einer Stippvisite nach Dormagen gekommen ist.

„Uns bleibt bei immer mehr Arbeit, immer weniger übrig“, so Manitz. Die Folge: „Praxen werden dicht machen oder sich zusammenschließen müssen.“ Was das bedeutet, erläutert Tosetti: „Das bedeutet das Ende der wohnortnahen Versorgung, die Patienten müssen weite Wege zu ihrem Arzt in Kauf nehmen.“

Ein Schreckensbild für Patient Addi Gassan, in der heimischen Schützenszene eine bekannte Größe: „Ich bin schwer krank und auf die Behandlung von Fachärzten angewiesen. Ich kann mit meinen Krankheiten nicht immer nach Neuss oder Köln fahren.“ Dr. Norbert Sijben, Allgemeinmediziner aus Zons und Pressesprecher des Praxisnetzes: „Insbesondere für ältere Menschen wird das problematisch werden.“

Quelle: NGZ

 
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