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Massenunfall nach Feuer: A57-Brand: Jugendlicher durch Brief belastet

VON MARC PESCH UND KLAUS D. SCHUMILAS - zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 09:03

Dormagen (NGZ). Zum ersten Mal kommt in den Fall der Brandstiftung unter der A 57-Brücke mit einem Toten Bewegung. Der Name eines möglichen Täters ist aufgetaucht. Die Polizei hält sich bedeckt.

Ist das die Wende in der Suche nach dem oder den Tätern der Brandstiftung unter der A57-Brücke vor fast einem Jahr? Seitdem fahndet die Polizei ohne jedes erkennbare Resultat. Zum ersten Mal hat die Kriminalpolizei jetzt einen Namen, der mit der Tat in Verbindung gebracht wird. Er wird in einem anonymen Brief genannt. Eine Schlüsselfigur nimmt dabei Heiner Cöllen, Richter am Neusser Amtsgericht, ein.

Es war das Bauchgefühl und eine Ahnung, gespeist aus jahrelanger Erfahrung im Umgang mit Straftätern, die Cöllen am vergangenen Donnerstag dazu veranlasste, zwei jugendliche Intensivstraftäter aus Dormagen konkret mit der Brandstiftung zu konfrontieren: "Haben Sie das Feuer gelegt?", wollte Cöllen ganz direkt von den beiden Angeklagten wissen. Das bestritten die beiden 17- und 18-Jährigen.

polizei-Ermittlung

Anwalt Wimmer glaubt an die Lösung des Falls

Pessimistisch Die Sonderkommission der Polizei wird im vergangenen Juni aufgelöst.

Optimistisch Der renommierte Strafverteidiger Wiljo Wimmer aus Zons ( "Brummi Andi", Nacktfoto-Skandal um einen Polizisten) sah damals Chancen, den Fall zu lösen: "Die Polizei braucht einen langen Atem." Er konnte sich vorstellen, dass "irgendwann der seelische Druck des oder der Täter zu groß wird. So abgebrüht sind Jugendliche in der Regel nicht. Das ist nicht meine Erfahrung".

Die beiden waren in Verdacht geraten, weil sie gemeinsam mit anderen Jugendlichen einen VW Bus gestohlen und nach einem Unfall ganz in der Nähe der Autobahn abgestellt hatten. Kurz danach war unter der A 57 ein Feuer ausgebrochen und hatte für einen Massenunfall mit einem Toten und eine Zerstörung der Autobahnbrücke gesorgt. Der Richter wunderte sich über "den ein oder anderen jüngeren Besucher in der Verhandlung. Ich hatte das dumme Gefühl, dass da eine Art Überwachung stattfindet. Dass aufgepasst wird, wer was sagt."

Erstes "Lebenzeichen" im stillen Fall

Nach dem Prozess erhielt Cöllen einen handschriftlich verfassten Brief, in dem der Vorname des mutmaßlichen Täters genannt wird und der zu einer elfköpfigen Gruppe von Jugendlichen gehört. Diesen Brief übergab er dem Kriminalkommissariat 11 in Neuss. Der Name ist den Beamten nicht unbekannt, aber die Polizei reagiert verhalten: "Der Brief liegt der Polizei und der Staatsanwaltschaft vor", sagt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold.

Er wiegelt zwar ab: "Er erhält substanziell nichts Neues. Ein konkreter Tatverdacht hat sich damals durch die Überprüfung der Verdächtigen nicht ergeben." Gleichwohl ist es das erste "Lebenszeichen" in dem zuletzt sehr stillen Fall. Vor allem, wenn sich der anonyme Verfasser des Briefes auch zu erkennen gibt. "Natürlich würden wir mit ihm gerne über sein Wissen sprechen", heißt es von Seiten der Ermittler. Ob der namentlich genannte Jugendliche noch einmal vorgeladen wird und ob versucht wird, den Verfasser des Briefes anhand der Handschrift zu ermitteln –das ist noch unklar.

Die Polizei richtete nach der Brandstiftung die Sonderkommission "A 57" unter der Leitung des Neusser Kommissars Dietmar Wixfort ein. Über 80 Hinweisen gingen die Ermittler nach – ohne Erfolg. In Nievenheim wurde mit einer Plakataktion nach den Tätern gefahndet – ohne Erfolg. Im Juni wurde die "Soko" wieder aufgelöst. Jetzt schöpft die Polizei neue Hoffnung, den Fall doch lösen zu können.

Quelle: NGZ/rl/top/rm/jco/url
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