Dormagen (NGZ). Die Traditionskneipe im Herzen Delraths wird schon am kommenden Wochenende den Betrieb einstellen. Die Stammgäste sind geschockt. Pächter Wilhelm Bonaventura spricht allerdings bereits von einem Nachfolger.
Der 50. Geburtstag ihres Mannes ist Ulrike Richter besonders im Gedächtnis geblieben: "Wir hatten das ganze Dorf eingeladen, haben 1100 Liter Bier gezapft, 50 Kilo Fleisch gebraten, alle Freunde haben mitgeholfen." 18 Jahre ist dieser Höhepunkt her, von dem Ulrike Richter so begeistert erzählt. Jetzt gibt Willi Bonaventura auf.
34 Jahre hat der 68-Jährige hinterm Tresen der Traditionskneipe "Zum Ännchen" gestanden und Bier gezapft. Am Sonntag ist Schluss. Dann schließt der Wirt die Türen. Das Alter, die Gesundheit – "ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten", sagt Bonaventura, der es in den vergangenen Jahren auch aufgrund von Auflagen immer schwerer hatte.
Brandschutz
Ansprechpartner Ansprechpartner für den Bereich Brandschutz sind bei der Stadt Sabine Voss (Tel. 02133 257-132) und Dieter Englich (Tel. 02133 257-173).
Gebühren Als Gebühren fallen 56,24 Euro pro Stunde an.
Unterlagen Bau- und Betriebsbeschreibungen, Brandschutzgutachten, Planunterlagen
Die Stammkundschaft trifft die Nachricht unvorbereitet. "Das kommt für uns alle überraschend", sagt Stammgast Karl-Rainer Knabe. "Wir sind total geschockt." Für den Delrather, der erst am vergangenen Wochenende von der Schließung erfuhr, war das Ännchen ein Stück Heimat, er ist mit dem Wirt befreundet, hat dort runde Geburtstage und vor zwölf Jahren seine Hochzeit gefeiert. "Viele Delrather haben dort gefeiert, die Kneipe ist Wachlokal für zwölf Delrather Schützenzüge, wir haben dort auch einmal im Monat gekegelt", sagt er mit Wehmut – und in Erinnerung an bessere Zeiten.
"Die Zahl der Gäste schrumpft eben", sagt Knabe. "Die Kneipen werden zu wenig von Jüngeren frequentiert, für die Kegelbahn gilt das genauso. Das liegt natürlich auch am Alter der Gaststätte und des Saales", gibt er zu bedenken. Dass es die traditionelle Kneipenkultur heute schwer hat, zeigt die Entwicklung im Ort. "Früher hatten wir sieben Gaststätten, heute nur noch zwei, obwohl der Ort ja gewachsen ist." Wo Karl-Rainer Knabe künftig sein Bier genießt?
"Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht." Auch für den Delrather Bürgerschützenverein fällt ein wichtiger Versammlungsort weg: der Jägerball, die Generalversammlung, der Hubertusball – all diese Termine waren im "Ännchen" geplant. Als Alternative gibt es "die gute Stube Delraths", das Johanneshaus, in dem sich die Karnevalisten der IG Delrath treffen.
Hoffnung allerdings gibt es bereits für Schützen und Stammgäste: "Es hat sich bereits ein Interessent bei mir gemeldet", sagt Wilhelm Bonaventura. Heute hat der Wirt einen Termin mit dem Vermieter. Wie es nun weitergeht, liege nun auch an den Auflagen, die die Stadt macht: "Vieles hängt jetzt davon ab, wie teuer die Bauarbeiten werden", sagt Bonaventura, der jahrelang über der Gaststätte gewohnt hat. Ein neuer Parkplatz könnte nötig sein, ein verbesserter Brandschutz. "Das Haus ist alt", sagt Bonaventura, der am Sonntag auch ein Kapitel seines eigenen Lebens schließt.
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