Dormagen (NGZ). Dormagen Ein Automobil mit den holperigen Holzrädern einer Kutsche oder den starren Stahlrädern einer Eisenbahn? „Unmöglich“ dachte sich der Thüringer Chemiker Friedrich (Fritz) Hofmann (1866 - 1956). Und suchte nach Lösungen. Der herkömmliche Saft der Kautschukpflanze war vor allem zu nachgiebig, für sich gesehen nicht geeignet und chemisch kaum veränderbar.
Hofmann forschte in den Labors seines Arbeitgebers, der Elberfelder Farbenfabriken vorm Friedrich Bayer & Co.. 1906 gelang ihm eine synthetische Alternative zu dem Naturkautschuk, der auch heute noch vor allem in Südostasien, Malaysia und Brasilien gewonnen wird.
Eine bahnbrechende Erfindung, von denen sich die Direktion der Farbenfabriken ein riesiges Geschäftspotenzial erhofften. Hofmann selbst schrieb: „Hier sah ich nun eine Aufgabe vor mir, durch Synthese im eigenen Land das Fehlende zu schaffen...“ Es wurde eine technische Revolution.
Die Direktoren behielten Recht, heute ist Kautschuk ein Markt mit 170 Milliarden Euro Umsatz. 1909 erteilte das Kaiserliche Patentamt das Patent 250 690 für das „Verfahren zur Herstellung von künstlichem Schaumstoff“. Das Kaiserhaus ließ seine Wagenflotte mit den Reifen aus künstlichem Gummi umrüsten. Sie hielten damals „sensationelle 4000 Kilometer“ ohne Schaden.
Die New York Times notierte: „Der Deutsche Kaiser fährt ein Auto, dessen Reifen aus einem Stoff hergestellt sind, der aus Schnaps gewonnen wird.“ Gemeint war Hofmanns Methylkautschuk. „Was seitdem geschah, ist die Entwicklung zu den heutigen High-Tech Reifen, wie sie die modernen Autos und Lastwagen brauchen“, erläutert Thomas Groß, Leiter des technischen Marketings in der Geschäftseinheit Performance Butadiene Rubbers mit Sitz im Chempark.
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