Dormagen (NGZ). In Straberg ist ein Autofahrer fast in einen Trauerzug geraten, weil ein städtischer Vollstreckungsbeamter ohne sein Wissen einen so genannten "Ventilwächter" angebracht hatte, der die Luft aus dem Reifen lässt.
Mittwochnachmittag, 12.45 Uhr, Horremer Straße in Straberg. Ein Trauerzug geht von St. Agatha Richtung Friedhof. Ein weißer Ford Ka kommt um die Ecke geschleudert. Der Fahrer kann das Fahrzeug kaum noch halten. Er lenkt gegen. Und bringt den Wagen dann knapp vor der Trauergemeinde zum Stehen.
"Es war knapp", berichtet der Fahrer,Gregor Lutz, gestern bei der Dormagener Polizei. Er erstattet dort Anzeige wegen "Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr". Die Anzeige richtet sich gegen einen Vollstreckungsbeamten der Stadt Dormagen. Polizei-Pressesprecher Bernd Schmutzler: "Wir geben die Sache an die Staatsanwaltschaft. Die wird prüfen, ob eine strafbarer Handlung vorliegt."
Ventilwächter
Bei den "Ventilwächtern" handelt es sich um eine pneumatische Wegfahrsperre. Das faustgroße, gelbe Gerät wird an Reifenventil und Felge befestigt und sorgt dafür, dass langsam die Luft aus dem Reifen entweicht. Die Geräte sind im Internet erhältlich.
Was war geschehen? Gregor Lutz (42), Versicherungsvertreter aus Nievenheim, hatte Besuch von einem städtischen Vollstreckungsbeamten. Der wollte Beiträge zur GEZ und für die IHK pfänden. Gregor Lutz hatte der Alkohol vorübergehend aus der Bahn geworfen, die Schulden drücken. Mittlerweile ist er nach einer Therapie "trocken", hat privates Glück gefunden und versucht Geschäftlich wieder auf die Beine zu kommen.
Er erklärt dem Beamten, dass bei ihm derzeit nichts zu holen sei. Doch der hat längst ein Auge auf den Ford Ka vor dem Haus geworfen. Lutz: "Ich habe ihm erklärt, dass Eigentümerin meine Frau ist". Danach habe sich der Beamte ohne weiteres verabschiedet mit der Anmerkung, er werde diese Angaben prüfen und verließ das Haus.
Als Gregor Lutz wenige Minuten später folgte, wunderte er sich, dass ihm der Vollstreckungsbeamte noch auf der Straße begegnete. Er setzte sich in den Wagen, fuhr los – bis er durch Straberg kam und dem Trauerzug begegnete. Der Ventilwächter hatte dafür gesorgt, dass der Vorderreifen auf der Beifahrerseite "platt" war. Schaden: 450 Euro.
Anders die Version der Stadt: Pressesprecher Harald Schlimgen: "Der Bürger erklärte, das Auto gehöre seiner Frau. Er habe keinen Schlüssel dazu." Und weiter: "Der Vollstreckungsbeamte machte ihm deutlich, dass der Wagen nun gepfändet werde und dass das Auto dazu mit einem Ventilwächter versehen werde.
Der Beamte brachte eine Pfandsiegelmarke an dem Auto an und den Ventilwächter am rechten Vorderreifen. An den Vorderfenstern brachte er die vorgeschriebenen Warnhinweise an." Der Bürger sei dann aus dem Haus gestürzt und fortgefahren. Die Stadt wird ein Verfahren wegen Siegelbruchs und Entwendung des gepfändeten Fahrzeugs eingeleitet.
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