Dormagen (NGZ). Nur gut ein Prozent der Landwirte im Bereich der Kreisbauernschaft Mönchengladbach/Neuss sind Biobauern. In Dormagen und Rommerskirchen gibt es nur Landwirte, die konventionell arbeiten – warum eigentlich?
Elmar Gasten denkt genau nach – ein Biobauer mit der ganzen Palette an Lebensmitteln im Hofladen fällt ihm in Dormagen und Rommerskirchen nicht ein. Spargel und Erdbeeren gibt es direkt vom Erzeuger. Aber der nächste Bio-Hofladen, der Geflügelhof Mödder in Rheidt, liegt bereits im Erftkreis. Der Rommerskirchener Gemeindesprecher nimmt an, dass die Lage mitentscheidend ist. "Die Direktvermarktung der Biohöfe braucht ein Publikum, das für diese Lebensmittel einen entsprechenden Preis zahlt und die Wege in Kauf nimmt. Daher seien Biobauern mit ihrer Direktvermarktung besser am Rande größerer Städte angesiedelt.
Bio in Zahlen
Die Zahl der Höfe, die Bio-Landwirtschaft betreiben, nahm in Deutschland 2009 um sechs Prozent zu (2008: plus 4,8 Prozent). Die mittlerweile 11 030 Bio-Betriebe bewirtschaften eine Anbaufläche von 653 339 Hektar, was 5,2 Prozent (2008: 5 Prozent) der gesamten landwirtschaftlichen Fläche entspricht.
Ähnlich argumentiert Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt, der nur acht Biolandwirte im Bereich der Kreisbauernschaft zählt – ein Anteil von gut einem Prozent. "Bei uns wird überwiegend konventionell gearbeitet." Das habe mit der Unsicherheit am Markt zu tun, denn: "Als Biobauer und Direktvermarkter braucht man einen stabilen Kundenstamm und faire Preise. Die Frage aber ist: Wie stabil ist der Markt?" Wappenschmidt denkt dabei vor allem an die "Bio"-Marken der Vollsortimenter und Discounter. "Das ist ein stark wachsendes Segment."
Die Leute kaufen aber auch dort nur Bio, wenn es preiswert ist." So kommt es zur absurden Situation, dass Bio-Möhren aus Israel kommen und hier nur verpackt werden. Ein weiteres Hemmnis sei die dreijährige Übergangszeit für Bauern, die auf Bio umstellen, ihre Lebensmittel aber erst nach dieser Zeit als Bioprodukt verkaufen dürfen. Und für Bio-Zuckerrüben beispielsweise habe es nie einen Bio-Markt gegeben.
Wie Gaby Schwarz. Sie bringt ihre Leidenschaft auf einen Begriff: Gesundheit. Damit meint die Ernährungswissenschaftlerin, die vor sieben Jahren den Hof ihres Vaters an der B477 übernommen hat, nicht nur die gesunde Ernährung ihrer Kunden, sondern auch die eigene Gesundheit. Sie lebt vom Direktverkauf ab Hof, denn "es geht um Vertrauen – und ein gutes Gefühl bei der Arbeit." Das ist für die 42-Jährige, die auf 42 Hektar allein 14 Sorten Kartoffeln anbaut, keine ideologische Frage. Landwirt Peter Küx aus Vanikum ist skeptisch, was die wirtschaftlichen Perspektiven des Bio-Landbaus betrifft – obschon er auf dem Markt "Bio"-Lauchzwiebeln oder dicke Bohnen verkauft, auch wenn nicht Bio draufstehen darf. "Man kann konventionell und Bio nach Parzellen trennen, aber wir brauchen ja eine vernünftige Fruchtfolge", sagt der 46-Jährige. Zudem mache Bio keinen Sinn, "wenn Discounter Bioware aus Fernost für Spottpreise verkaufen." Er sieht auch die Verbraucher in der Pflicht: "Jeder will Bio, aber keiner eine Blattlaus im Salat."
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