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Die Jecken erobern das Rathaus: Bürgermeister entmachtet

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009 - 21:30

Die Jecken erobern das Rathaus (NGZ). Dormagen Jecker Spaß an der Freud’ war am Donnerstag Trumpf in Dormagen. Pünktlich um 11.11 Uhr wurde Bürgermeister Heinz Hilgers, getarnt als verwegener Pirat, bis Aschermittwoch in den Urlaub geschickt. Er wird ihn nutzen - und in der Stadt bei den Jecken feiern. Die waren am Donnerstag nach verhaltenem Beginn schnell in Hochform. Von Delhoven bis Gohr, von den Rot-Weißen aus Zons über Stürzelberg bis zu den Ahl Dormagener Junge und den Delrather Jecken präsentierten sich die Karnevalsgesellschaften aus den meisten Stadtteilen auf der Bühne vor dem Rathaus. Die Tanzgarden gaben ihr Bestes zur Musik von Impulse.

Bürgermeister Heinz Hilgers (l.) beugte sich der närrischen Übermacht auf dem Rathaus-Balkon: Prinz Jens Wagner, Bauer Rudi Tobischka und Jungfrau Heidi Heinz Keller sowie Kinderprinz Fabian Schott von den Ahl Dormagener Junge übernahmen bis Aschermittwoch die närrische Macht und die Stadtschlüssel.  Foto: NGZ
Bürgermeister Heinz Hilgers (l.) beugte sich der närrischen Übermacht auf dem Rathaus-Balkon: Prinz Jens Wagner, Bauer Rudi Tobischka und Jungfrau Heidi Heinz Keller sowie Kinderprinz Fabian Schott von den Ahl Dormagener Junge übernahmen bis Aschermittwoch die närrische Macht und die Stadtschlüssel. Foto: NGZ

Die „Altreucher“, heimische Karnevalsfavoriten aus Delhoven, hatten vor der Schlüsselübergabe den rund 1300 Jecken auf dem Rathausplatz kräftig eingeheizt. Bereits mit ihrem ersten Song „Hahnepootz“, dem Siegertitel der Närrischen Hitparade des WDR im vergangenen Jahr, hatten sie die meist kostümierten Narren auf ihrer Seite. Bei dem Lied über die Pipeline in der Kneipe zum Tisch ahnten viele bereits, dass es ein stimmungsvoll-bierseliger Tagen werden wird...

Gut in Stimmung waren von Beginn an die Dormagenerinnen. Ob Jung ob Alt, ob in den Büros oder Werkstätten oder beim Empfang im Rathaus fielen die Krawatten (wohl dem, der eine trug!) der Schere zum Opfer und es gab Bützchen zu Hauf. Für viele endete die Party erst spät in der Nacht. Auf dem Rathausplatz waren bei bestem Karnevalswetter zwar mehr Narren unterwegs, aber es gab weniger jugendliche Gruppen, die sich dem Exzess-Saufen widmeten. Auch die Zwischenbilanz des Bezirksbeamten der Polizei, Horst Rose, war zufrieden stellend. Auch er trug die Spur eines Bützchens auf der Backe.

Heimlicher Star der Session im Dormagener Karneval ist Peter Pick. Der 45 Jahre alte Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Musiker ist von Geburt an blind - und Karnevalsprinz in Zons zusammen mit Prinzessin Anja. Und er begeistert in dieser Rolle. Der aus tiefem Herzen empfundene Humor und die Begeisterung springen über. „Die Freude, mit der ich überall empfangen werde, ist großartig.“ Sehen kann er nicht - aber fühlen. Der Empfang am Vormittag bei der Sitzung im Bettina-von-Arnim- Gymnasium zählte zu den herzlichsten Empfängen und Erfahrungen in der Session. „Ich war von den Jugendlichen zutiefst berührt“, bekennt er nach dem Auftritt. Peter Pick ist der Mutmacher der Session.

Prinz Jens Wagner, Bauer Rudi Tobischka und Jungfrau Heidi, Heinz Keller, sowie Kinderprinz Fabian Schott nahmen den Schlüssel in Empfang - der Bürgermeister hatte keine Chance. Selbst der Mafiosi, Kämmerer Ulrich Cyprian, konnte und wollte da nicht einschreiten „Sollen doch die anderen mit den Finanzen zurecht kommen“, lehnte er sich genüsslich zurück.

Ab Mittag dann füllte sich das Zelt auf dem Schützenplatz, wurde ab dem Nachmittag in den Sälen und Zelten der einzelnen Orte kräftig gefeiert. Wie sagte doch eine ältere Dame vor dem Rathaus: „Je schlechter es in der Welt läuft, desto doller wird Karneval gefeiert.“ Hilgers nimmt es mit Humor: „Wenn die Dolle jetzt schon die Kommunalwahl auf Neusser Schützenfest ansetzen, wird wohl die Landtagswahl im nächsten Jahr an Rosenmontag sein.“ Doch selbst das könnte die Jecken wohl kaum erschüttern.

Quelle: NGZ


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