Dormagen (NGZ). Jahrelang hat NGZ-Redakteur Jens Krüger in düsteren Spelunken die Billardvariante "9er Ball" geübt – und nun Bertwin Heller, Chef beim Billardverein Dormagen-Delrath, herausgefordert. Ein Kampf um Kugeln und Coolheit.
Die Hände kleben bei dieser verdammten Hitze. Daumen und Zeigefinger fühlen sich an wie Radiergummis, die ich gespreizt auf dem blauen Filz abgestützt habe. Ich visiere die gelbe "1" über den Rand meiner Brille an und lasse den Stock wie den Kolben einer Dampfmaschine nach vorne schnellen.
Mit Bertwin Heller (60) stehe ich an einem Billardtisch im ehemaligen Kinosaal an der Johannesstraße 8. Ich, Jens Krüger, NGZ-Redakteur, habe den Vereinsvorsitzenden des Billardvereins Dormagen-Delrath zu einem Duell herausgefordert. Während meiner Jugendzeit habe ich viele Stunden im schummrigen Licht von "Frank's Billard-Café" verbracht. "9er Ball" war meine Variante, die Kugeln müssen nach der Zahlenfolge bis zur "9" versenkt werden. Bertwin Heller willigt zu einer Partie ein.
Der Verein
Monatsbeitrag 40 Euro
für Jugendliche und Studenten 25 Euro
Tische 8 – für die Varianten Pool, Snooker und Karambolage
Sonstige Kosten Schlüsselanfertigung 6,50 Euro; Schlüsselpfand 50 Euro
Turnier am 4. September zum Fest der Generationen
Telefon 02133 92525
E-Mail bertwin.heller@gmx.de
Das Duell ist schnell beendet
Es läuft gut. Bis zur "4" surren die Kugeln in die Löcher. Ich erlange den Respekt des Vereinsvorsitzenden, der zu mir sagt: "Wir duzen uns hier, ich bin der Bertwin." Es geht hin und her. Das Duell ist schnell beendet. Bertwin versenkt die weiße Kugel im Loch, ich habe einen "Ball in Hand" und verwandele den Elfmeter. 1:0! Die Führung!
Bertwin Heller hat 31 500 Euro in den Billardsaal investiert. 40 Erwachsene und 25 Jugendliche spielen hier regelmäßig. "Jeder bekommt einen Schlüsseln und kann 24 Stunden am Tag in den Raum, Getränke dürfen mitgebracht werden." Acht Tische stehen in dem Saal, in dem zwei Klimageräte surren. Die Varianten Pool, Snooker und Karambolage können hier gespielt werden. Vom Nebentisch hallt das Klackern der Snooker-Kugeln durch den Raum. Zwei ältere Herren mit schwarzen Billardhandschuhen messen sich dort. Snooker ist auch das Spiel von Bertwin Heller. Es ist ein Spiel für Gentlemen. Britische Offiziere haben es zur Kolonialzeit in Indien erfunden.
Ich gewähre Bertwin Revanche im Snooker. Ein fremder Tisch, vier Meter mal zwei Meter groß, die Kugeln sind viel kleiner. Der grüne Filz sieht aus der Ferne aus wie ein Rasenplatz. Ich fühle mich wie Tom Cruise in "Die Farbe des Geldes". Am liebsten würde ich ein Bündel Dollar-Noten auf den Tisch werfen. Ich versenke eine rote, danach die pinke Kugel. Ich führe bald 12:0. Der Vereinschef klopft anerkennend zwei Mal auf den Tisch.
Bertwins Lippen sind schmal geworden. Er sagt: "Ich kann dich ja nicht besiegen, will ja, dass du wiederkommst." Dann beugt er sich über den Tisch, Kinn, Brust und Queue bilden eine Linie. Der 60-Jährige versenkt eine rote Kugel im Loch, danach eine blaue. Sechs Punkte. Jetzt wirkt Bertwin wie ein britischer Offizier. Ich würde mich nicht wundern, würde er eine Tasse Tee mit einem Tropfen Milch bestellen und eine Pfeife stopfen. Doch im Saal wird nicht geraucht.
Ich reihe nun Fehler an Fehler, während Bertwin mit der Präzision einer Nähmaschine stößt. Erst steht es 22:22, es dauert nicht lange, bis ich 59:31 zurückliege. Es steht Remis. Wir beide sind zufrieden. Bertwin sagt am Schluss: "Komm mal wieder." Es klingt, als würde er bei einem weiteren Match etwas klarstellen müssen.
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