Dormagen (NGZ). Delrath So richtig grün ist es schon Jahrzehnte lang nicht mehr geworden am Silbersee. Der Dreck der nahen Zinkhütte legte sich bis zur Schließung 1971 wie Patina auf das Grün. Eine Arsenblase machte jede weitere Nutzung zum höchsten Risiko.
Eine Automobilfabrik war dort geplant, ein Kraftwerk, die Schießanlage für die Olympischen Spiele, wenn sie denn an Rhein und Ruhr vergeben worden wären, eine Autorennbahn, zuletzt ein Autohof. Alle Pläne scheiterten an den Altlasten oder den Interessen des Eigentümers RWE.
Und das blockierte die Interessen der Stadt. Gut 25 Hektar Gewerbegebiet waren und sind in den Vorgaben vom regionalen Gebietsentwicklungsplan bis zum städtischen Flächennutzungsplan ausgewiesen. Für rund zwölf Hektar besteht Baurecht für Gewerbeansiedlungen.
Das Silbersee-Gelände wurde zum Klotz am Bein. Bis Bürgermeister Heinz Hilgers die Initiative ergriff und Kontakt zum Vorstand der RWE Power AG aufnahm, die für das Areal zuständig ist. Man wurde schnell einig: RWE verzichtet auf die gewerbliche Vermarktung, nutzt das Grundstück selbst - und die Stadt hatte den Rücken frei, um 45 Hektar Gewerbefläche westlich der Autobahn 57 auszuweisen.
Silbersee
Der Silbersee wurde seit 1911 ausgekiest und als Baggerloch angelegt. Der Kies wurde zunächst nach Holland gebracht, später, bis Ende der 30er Jahre wurde mit dem Delrather Kies der Westwall in der Eifel gebaut.
Während des Krieges arbeitete am Silbersee sogar eine kleine Werft. Die Zinkhütte in Delrath nahm 1913 ihren Betrieb auf und arbeitete bis September 1971.
Das entsprechende Verfahren, so Hilgers, wird in den kommenden Wochen eingeleitet. Vorgesehen sind dort Unternehmen aus dem weiteren Logistikbereich. Die Rede ist von bis zu 1000 Arbeitsplätzen. Doch was wird mit dem Silbersee-Gelände?
Das Gras ist Richtung B 9 und See vergilbt. Die Zeiten, als Nievenheimer in dem See badeten, paddelten oder Runden mit dem Motorboot drehten, sind längst vorbei. „Die Böschungen sind vergiftet“, so Bernd Blochwitz, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung und Liegenschaften. Und daran wird so schnell auch nichts ändern.
„Wir halten das Gelände als betriebliche Vorratsfläche vor“, sagt Achim Lückoff, bei RWE Power für das Grundstück zuständig. „In den heutigen Turbulenzen des Strommarktes kann man nie genau wissen, ob einmal kurzfristig Flächen für betriebliche Zwecke gebraucht werden.“
Konkrete Absichten habe das Unternehmen allerdings zurzeit nicht. Alle sind übrigens froh darüber, dass in der Einfahrt zum Silbersee einer der letzten Aalschokker gesunken ist: Er hindert Sportboote an der Einfahrt in den früheren Baggersee.
Freundlicher sieht es im westlichen Bereich des Areals aus: Dort gedeihen wieder Bäume, wird das Gras im Frühjahr wieder Grün, sprießen im Sommer vereinzelt Blumen. Dort ist neue Erde aufgebracht worden, wurden ökologische Ausgleichsflächen angelegt.
Für weiteren Ausgleich auf den Ökokonten soll das Areal an der Bundesstraße 9 vorgesehen werden. Dort soll laut Lückoff das Ausgleichsgrün für den neuen Autobahnabschluss an Tor 14 einmal wachsen und gedeihen.
Und der geplante Autohof? Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung bei Dormagen wird beim Rhein-Kreis Neuss und in Dormagen nach wie vor gesehen. Und so ganz abgeschrieben scheinen die Pläne im Rathaus noch nicht. Allerdings wird jetzt auch das neue Gewerbegebiet, das westlich der A 57 entstehen soll, geprüft.
Allerdings vorerst nur in einer deutlich abgespeckten Variante. Blochwitz: „In einer kleinen Lösung ohne Hotel, Werkstätten und ähnliches kämen wir mit drei Hektar hin.“ Doch die Planungen für die anderen Projekte haben Vorrang: „Wir müssen abwarten, was an Flächen übrig bleibt.“
Unterdessen bleibt der größte Teil des Silbersee-Areals Brachland über der Arsenblase, vor der viele Bürger Angst haben. „Die hat sich seit Jahren nicht verändert, und das wird wohl so bleiben“, sagt Blochwitz Der Schutzzaun um einen großen Teil des Geländes wird wohl noch lange stehen bleiben.
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