Dormagen (NGZ). Wenn andere vermeiden, das Haus zu verlassen, schnappt er sich seine Fotoausrüstung und nimmt im Auto die Verfolgung auf: Bei jedem Unwetter ist der Delhovener Gerd Bierling unterwegs, um Stürme zu fotografieren.
Delhoven Die meisten Menschen wünschen sich im Urlaub schönes Wetter, um sich zu erholen. Gerd Bierling nicht. Er fliegt bewusst dahin, wo sich besonders häufig Tornados, Super-Zellen und heftige Gewitterfronten bilden. Und sollten sie das ausnahmsweise mal nicht tun, hört er den Wetterbericht und fährt mehrere tausend Kilometer zum nächsten Unwetter.
Erholsam ist das nicht. „Als ich im vergangenen Jahr drei Wochen in den USA unterwegs war, habe ich mehr als vier Kilo abgenommen“, erzählt er. „Das war Stress pur. Man weiß nie, wo man abends schläft und wann man etwas zu essen bekommt.“
Trotzdem wird er sich im Mai wieder ins Flugzeug Richtung Texas setzen, um gemeinsam mit anderen „Stormchasern“ (Sturmjägern) Blitz, Donner und Wirbelsturm zu verfolgen.
Skywarn
Skywarn wurde 2003 gegründet und hat rund 165 Mitglieder, die bei einem Unwetter die Situation vor Ort beobachten und ihre Einschätzung an den Wetterdienst weitergeben. Der Verein versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.
Die Schilderungen der Lage sollen mit den Bildern auf dem Satellitenbild eine bessere Einschätzung der Lage möglich machen. Eine Unwetterwarnung kann nur der Wetterdienst selbst aussprechen. Wer als Sturmjäger arbeiten will, muss eine meteorologische Prüfung ablegen und erhält ein Zertifikat.
„Wetter ist Faszination“, erklärt Bierling, der in Dormagen geboren und in Delhoven aufgewachsen ist, sein Hobby kurz und knapp. Was dem Musikfan das Live-Konzert ist Bierling das perfekte Gewitter - vom Auftürmen der Wolken über Blitzeinschläge bis zum Regenbogen als Abschluss.
Diese „Momente der Urgewalt der Natur“ festzuhalten, hat ihn schon immer gereizt. Als er 2003 von der Gründung des Vereins Sykwarn erfuhr, stand für ihn fest, dass er Sturmjäger werden will.
Seit zwei Jahren ist er zertifiziertes Mitglied und betreut den Wetterbereich des Rhein-Kreises Neuss, des Rhein-Erft-Kreises, des Bergischen Landes und der Voreifel. 100 bis 150 Mal im Jahr rückt er aus, um vor Ort in Handy- und Mail-Kontakt mit seinen Vereinskollegen die Entwicklung von Gewittern und Stürmen zu beobachten, seine Erkenntnisse an den deutschen Wetterdienst weiterzuleiten - und natürlich, um das Schauspiel mit Foto- und Videokamera festzuhalten.
Wenn er sich später das Ergebnis am Computer zu Hause anschaut, ist er immer wieder überrascht. „Nach meinen Erfahrungen in den USA im vergangenen Jahr, war ich ziemlich sicher, dass ich so etwas nicht noch einmal mitmachen möchte“, sagt er. Dann sah er die Bilder - und änderte seine Meinung: „Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut. „Wer diese Bilder sieht, erkennt, dass er ganz klein ist.“
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