Dormagen (NGZ). Wenn es stürmt und blitzt, zieht es den Dormagener Gerd Bierling auf eine Anhöhe in Fliesteden. Von dort hat der Tornadojäger und Wetterexperte einen Blick darauf, was sich im Himmel über Dormagen zusammenbraut.
Ein ausgetretener Pfad führt zu der Anhöhe, auf der eine Holzbank zum Sitzen einlädt. Von der nahe gelegenen Koppel hallt das Wiehern eines Pferdes durch die Luft. Der Hügel in Fliesteden könnte auch in Niederbayern liegen. Zu diesem Rheinland-Panorama zieht es den gebürtigen Delhovener Gerd Bierling (53), wenn er allein sein will. Doch Ruhe sucht er hier nicht, eher das Gegenteil.
Der Sturmjäger, der seine Berichte auch an die Internetplattform Wetter online schickt, beobachtet von dem Hügel aus Unwetter. Er sieht als Erster, wenn sich etwas zusammenbraut über seiner alten Heimat. Gerd Bierling hat früher viele Orte mit seinem Motorrad gesucht und danach für seine Beobachtungen getestet: das Areal um Schloss Arff, den Rheindamm in Zons – doch die Anhöhe in Fliesteden ist perfekt. "Keine Bäume, keine Stromleitungen – und Dormagen selbst ist schon viel verbaut", sagt der 53-Jährige.
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Unwetter haben den Vater dreier Kinder seit seiner eigenen Kindheit fasziniert. "Sobald es geblitzt und gedonnert hat, stand ich am Fenster", sagt Bierling. Von diesem Sommer ist Bierling ein wenig enttäuscht. Es hat sich nur selten etwas zusammengebraut am Himmel. "In München und Ostdeutschland ist deutlich mehr los", sagt er. Das ist auch der Grund, warum es den 53-Jährigen in den vergangenen Jahren immer wieder in die USA gezogen hat. Von Texas bis Wyoming zieht er den Tornados hinterher, von Motel zu Motel. Faustgroße Hagelkörner hat er auf seinen Reisen vom Himmel fallen sehen. Doch nun soll Schluss sein mit den Amerika-Reisen, das hat er seiner Familie versprochen.
Dabei ist Bierling nicht nur Adrenalin-Junkie. Ein RTL-Reporter wollte den Dormagener einst zu einem Flug im Auge eines Hurricanes in den USA überreden. Ob er das Angebot angenommen hat? Gerd Bierling schaut sein Gegenüber fragend an. Er mag's auch beschaulich: Wenn im Herbst der Bodennebel über dem Feld aufsteigt, macht er Stimmungsaufnahmen, beobachtet die Farbenspiele. "Die Luft muss feucht sein dafür", sagt Gerd Bierling, der als Chemikant bei Ineos arbeitet, ehrfürchtig. Dann dreht er Videos im Zeitraffer.
Vor einigen Wochen hat er hier den Mond abgelichtet, der so groß am Himmel stand wie seit 1000 Jahren nicht mehr. Es sind beeindruckende Bilder, die der 53-Jährige mit seiner Kamera festgehalten hat. Schwer und tief hängt der Erdtrabant am Himmel, eine rosafarbene Kugel.
Gerd Bierling sitzt schon wieder in seinem Auto, als sich der Himmel verdunkelt. "Quellwolken", sagt er hoffnungsvoll. Er hat sich extra frei genommen, weil das Wetter schlecht werden sollte.
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