Dormagen (NGZ). Noch vor drei Jahren hat der Raps-Anbau in der Region geboomt. Inzwischen sind viele Bauern im Kreis Neuss zurück auf die Zuckerrübe umgestiegen. Warum Bruno Heiles vom Rheinfelder Hof weiterhin auf die gelbe Pflanze setzt.
Radfahrer, die von Rheinfeld über den Feldweg zur Gaststätte Piwipp fahren, können derzeit eine Metamorphose erleben. Der hüfthoch wachsende Raps wechselt seine Farbe von grün nach gelb. Mittendrin steht Bruno Heiles (30) und begutachtet die Blüten. Seit fünf Jahren setzt Heiles, der mit seinem Vater den Rheinfelder Hof bewirtschaftet, auf den Kreuzblütler. "Für den Raps braucht man keine eigene Mechanisierung, die Investitionen sind überschaubar", sagt Heiles. 15 Hektar stehen für den Raps zur Verfügung.
Wie der Rheinfelder Landwirt haben vor einigen Jahren etliche Bauern gedacht, als die Bundesregierung beschloss den Anteil an Biokraftstoffen stufenweise zu erhöhen. Alleine in Dormagen wuchs die Fläche, auf der Winterraps angebaut wurden, zwischen 2003 und 2007 von 27,4 auf 96,6 Hektar. Inzwischen ist allerdings Ernüchterung eingekehrt. So schreibt die Branchenplattform Proplanta.de: "Die zurzeit erfreuliche Entwicklung am Biodieselmarkt kann aber nicht über den insgesamt drastischen Rückgang des Verbrauchs seit 2007 hinwegtäuschen, der durch die Besteuerung von Biokraftstoffen verursacht worden ist."
Doch auch regionale Faktoren haben dem kometenhaften Aufstiege des Raps ein jähes Ende gesetzt. "Der Versuch, die Zuckerrübe mit Raps zu ersetzen ist gescheitert", sagt Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt. Eine Renaissance der Rübe hat der Bedarf an Industriezucker möglich gemacht. "Der ist nicht an die Quote gebunden", sagt Wappenschmidt. Es gibt noch weitere Faktoren, die das arbeiten mit der gelben Pflanze schwierig machen. "Die Ertragsschwankungen sind groß, der Raps ist winteranfällig", sagt der Kreislandwirt. Außerdem gebe es Probleme mit Tauben: "Die sind ganz wild auf den Raps."
Absatzprobleme gibt es im Kreisgebiet aufgrund der Ölmühlen im Neusser Hafen dagegen nicht.
"Den Raps loszuwerden ist kein Problem", sagt Bruno Heiles. Die Familie verkauft die Pflanzen zu 50 Prozent an die Ölmühle Sels, wo auch Speiseöl hergestellt wird; 50 Prozent werden an einen Landhandel in Rommerskirchen geliefert. Der Rapsschrot, das Nebenprodukt nach dem Pressen, wird als Tierfutter verwendet.
Die Heiles wollen dem Raps auch in Zukunft treu bleiben. "Für unseren sandigen Böden ist der gut geeignet", sagt Heiles. Inzwischen haben auch die Preise wieder angezogen. Der Raps wird derzeit mit 27,30 Euro pro Doppelzentner vergütet; für B-Weizen wird nur 10,70 Euro gezahlt. Vorsichtig zuversichtlich ist inzwischen auch der Branchenverein UFOP: "Die Winterrapsfläche zur Ernte 2010 liegt (...) um 28 000 Hektar höher."
Abhängig vom Raps ist der Rheinfelder Hof ohnehin nicht. Heiles: "Wir bauen Rüben, Mais und Getreide an – außerdem haben wir Legehennen."
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