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Dormagen: Der "Schwarzbrenner" von Zons

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011

Dormagen (NGZ). In der Torschenke wird unter der Anleitung des Brennmeisters Kai Hofstetter Schnaps gebrannt. Die Herstellung von Obstbrand ist für den Experten eine Sache von Geduld und Fingerspitzengefühl – dient aber natürlich dem Genuss.

"Kupfer ist gut zu bearbeiten, es lässt sich leicht hämmern und dengeln" Foto: NGZ
"Kupfer ist gut zu bearbeiten, es lässt sich leicht hämmern und dengeln" Foto: NGZ

Wer die Torschenke in Zons betritt, fühlt sich in eine Alchemistenküche des 17. Jahrhunderts zurückversetzt. Es ist ein wenig schummrig und warm, der Kamin knistert, auf dem Tisch ist eine altertümliche Apparatur aufgebaut: Ethanolbrenner, Kessel, Verbindungsröhrchen und Kühlgefäß spiegeln gemütlichen Kupferglanz. "Das Material ist einfach gut zu bearbeiten, es lässt sich leicht hämmern und dengeln, und Kupferionen dienen als Katalysator." Der Mann, der das sagt, heißt Kai Hofstetter, er trägt das blau-weiß gestreifte Hemd seiner Zunft und sieht nicht aus, als ließe er sich schnell aus der Ruhe bringen.

Info

Brennseminar

Was Im Brennseminar werden ein Obstbrand und ein Gewürzgeist hergestellt

Wann Morgen, 18 Uhr

Kosten 89 Euro pro Person inklusive Fingerfood und zwei 0,2-Liter-Fläschchen selbst gebrannter Schnaps

Kontakt unter Tel. 02133 259955

E-Mail carla-juch@torschenke.de

Das muss auch so sein. Hofstetter ist Brennmeister. Morgen zeigt der 47-jährige Bonner den Teilnehmern eines Brennseminars in der Zonser Torschenke, wie Obstbrand und Gewürzgeist in Eigenregie hergestellt werden können.

Am Anfang steht die Maische, zerkleinertes und vergorenes Obst. Aus 20 Kilogramm Mirabellen, zehn Liter Wasser und Hefe hat Hofstetter die Flüssigkeit hergestellt, aus der der Obstbrand destilliert wird. Hofstetter füllt den 0,5-Liter-Kessel mit einem prüfenden Blick über den Rand seiner Brille, dann füllt er den Kühlbehälter mit Eiswürfeln und zündet den Brenner an.

Der gebürtige Würzburger Hofstetter hat das tausend Mal gesehen und gemacht. "Mein Opa hat schon Schnaps gebrannt", sagt der 47-Jährige. Noch heute ist seine Familie im Besitz süddeutscher Bauernbrennrechte. "Privatpersonen dürfen aber auch kleinere Mengen brennen", sagt Hofstetter, "auch wenn das deutsche Rechtssystem Realsatire ist."

Das Schnapsbrennen hat auch mit Geduld und Fingerspitzengefühl zu tun. Nach rund 25 Minuten erreicht der Alkohol seinen Siedepunkt, der zwischen 79 und 82 Grad liegt. Die Dämpfe steigen auf und gelangen über das Röhrchen in den Kühlbehälter. Langsam, wie von einem schmelzenden Eiszapfen, tropft der Obstbrand aus dem Kühler in ein Glas. Hofstetter streckt seinen Zeigefinger aus und probiert. "Am Anfang schmeckt der Brand nach Patex", sagt er. Das liegt an dem Phenol. Der Alkoholgehalt liegt bei bis zu 85 Prozent und nimmt langsam ab. Später folgt der so genannte Mittellauf, der edle Brand, den Hofstetter separiert. Dann tropft der Nachlauf, der aufgrund der Fuselöle einen seifigen Geschmack hinterlässt.

Kai Hofstetter ist zufrieden mit dem Produkt. Und vielleicht auch damit, dass es den Obstbrand selbst hergestellt hat. Er sei schließlich ein Mann, der lieber selber macht: Er backt eigenes Brot, macht Marmelade, und einmal im Jahr schlachtet er ein Schwein.

Inzwischen hat Kai Hofstetter den Quittenbrand mit destilliertem Wasser vermengt, um den Alkoholgehalt mit Hilfe einer Spindel auf 40 Prozent zu tarieren. "Verkehrsfähiger Alkohol hat einen Gehalt zwischen 39,8 und 40,2", sagt Hofstetter. Für ihn ist das Schnapsbrennen ein schönes Hobby. Er grinst jetzt teuflisch: "Und es hat den Anruch des Verbotenen."

Quelle: NGZ


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