Dormagen (NGZ). Über Radios haben die DDR-Granden mit ihren Spionen kommuniziert. Der Experte Detlev Vreisleben berichtet darüber – natürlich im Dormagener Radiomuseum.
Die Frauenstimme klingt synthetisch und blechern: "3, 4,1, 8, 9" – Detlev Vreisleben dreht sein (handelsübliches) Radion lauter. Der 61-Jährige hat einen Zahlensender über Kurzwelle reingedreht. "Agenten bekommen so ihre Anweisungen", sagt Vreisleben. Die Geheimdienste in Vietnam, Ägypten und Kuba arbeiten heute noch mit den verschlüsselten Zahlenfolgen – "der Mossad arbeitet mit Buchstaben-Codes".
Die Kubaner arbeiten noch so
Wie all das technisch funktioniert hat, erklärt Detlev Vreisleben am Sonntag, 15 Uhr, im Radio + Phono-Museum an der Bahnstraße. Er ist, so könnte man sagen, der Spion der Spione. Insbesondere wirft der Agentenexperte einen Blick auf die Abhörmethoden in der ehemlaigen DDR. Vor dem Mauerfall nutzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Radios zum Abhören von Telefon, Wohnungen und den Verbindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik. "Dem MfS gelang es sogar eine Glasfaserleitung anzuzapfen, die 1988 zwischen Hamburg und Berlin verlegt worden war", so Vreisleben.
Vortragsdaten
Thema "Radio für Spione"
Wann 19. September, 15 Uhr
Wo "Internationales Phono + Radio Museum", Bahnhofstraße 2 - 4
Referent Nachrichtentechniker Detlev Vreisleben
Den 61-Jährige faszinieren Funk, Fotografie und Spionage seit Kindesbeinen; seit 1982 sammelt er Kameras, inzwischen umfasst seine Sammlung 60 Geheimdienstkameras und Geheimdiensttechnik. Auch beruflich orientierte sich Vreisleben an seinem Hobby. Der studierte Nachrichtentechniker arbeitete als Entwicklungsingenieur bei AEG-Telefunken und später bei Bayer und Lanxess in Leverkusen im Bereich Prozessleittechnik.
Das Forschen nach Geheimnisse lässt Detlev Vreisleben auch heute nicht los. Bei der "Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik" (BStU) – auch bekannt als Gauck- oder Birthler-Behörde – hat er Akteneinblick. Den 3000 Seiten starken Vorgang "Kristall" hat er durchgeblättert. Es ist die Akte über einen jungen Mann, dessen Bewegungen akribisch dokumentiert sind. Unwohl habe er sich bei der Durchsicht gefühlt, "wie ein Voyeur", sagt Vreisleben, der auch den Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" beleuchtet – und das durchaus kritisch. "In der DDR hat niemand auf dem Dachboden gesessen und Gespräche belauscht." Die Konversation sei auf Tonband aufgenommen und später abgehört worden worden. Heute liegen sie im staubigen Archiv der Birthler-Behörde.
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