Heinz-Willi Güsgen wird Freitag 70 Jahre alt (NGZ). Fußball und Völkerverständigung, gestandenes SPD-Urgestein und Gohr - das sind Stichworte, die nur auf einen Mann im Stadtgebiet zutreffen: Heinz-Willi Güsgen, der ungekrönte König von Gohr. Und was kaum jemand für möglich hält: "Dä Knibbel", wie ihn seine Freunde nennen, begeht am Freitag schon seinen 70. Geburtstag.
Auch dieses mittlerweile gesetztere Alter hält ihn nicht davon ab, noch ein letztes (?) Mal die Fußballschuhe zu schnüren - immerhin gibt ihm eine Kreisauswahl der älteren Semester, verstärkt um Friedhelm Funkel und Andreas Rettig vom 1. FC. Köln die Ehre und spielt gegen eine linksrheinische (!) Kölner Auswahl. A Propos Köln: Wer Heinz-Willi Güsgen je leiden sah, wusste: Der FC war gerade abgestiegen oder hatte ein Schicksalsspiel verloren.
Heinz-Willi Güsgen wird 70 - doch kein bisschen leise. Wenn er im Stadtrat aufsteht, mag manch einer schmunzeln. Es ist selten geworden, dass Menschen auch in der Politik vor allem ihr Herz sprechen lassen. Meist geht es ihm um "seine" Gohrer, für die er vehement eintritt und alles zu erreichen versucht - Heinz-Willi Güsgen macht sich die Sache der Bürger zu eigen, unverfälscht, von keiner Parteischaltstelle oder Fraktionsleitung zensiert. Heinz-Willi Güsgen ist Gohrer - und er bekennt sich dazu.
Seine Hausmacht sind vor allem die Bürger. Ein Vollblut-Politiker und Organisator, wie sie selten geworden sind. Der Radweg entlang der B.477, die neuen Gohrer Baugebiete, und vor allem die 1994 neu eröffnete Sportanlage gehen auf seine Initiative, seine Beharrlichkeit zurück. Seine politische Heimat ist die SPD: Güsgen war Mitbegründer der Gohrer SPD, führte den Ortsverband von 1969 bis zum vergangenen Jahr, wurde dann zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Dem Stadtrat gehört er seit 1989 an.
Für Ehefrau Marina, die beiden Söhne Dieter und Herbert und die drei Enkel Corinna, Saralena und Sebastian bleibt nur wenig Zeit. Doch Politik ist für Heinz-Willi Güsgen nur eine logische Konsequenz seines Engagements, das der diplomierte Verwaltungswirt, der 40 Jahre in Diensten der Deutschen Bahn gestanden hat, bereits zuvor auf anderen Feldern erprobt hatte. Und dabei spielt der Sport eine Schlüsselrolle: Güsgen organisierte nach seiner ruhmreichen aktiven Zeit Fahrten "seiner" Fußballer in aller möglicher Herren Länder, stets mit einer Gegeneinladung nach Gohr in der Tasche. Das "Bergdorf" wurde zu einem Mekka für FußballerInnen aus mehr als zehn Ländern der Erde.
Die Gastfreundschaft, die den Mannschaften mit Festen, Besuchen und Besichtigungen im Rheinland zuteil wurde, ist Legende. Völkerverständigung, das ist für Heinz-Willi Güsgen in den vergangenen Jahren vor allem die Beziehung zu Slowenien, insbesondere Duplek, wo seine Frau Marina herstammt. Und so ist es fast selbstverständlich, dass eine stattliche Gruppe aus Duplek mit Bürgermeister Janez Ribic, zum Geburtstag in Dormagen weilt (siehe Bericht auf dieser Seite). Gerne würden Güsgen und Ribic die Beziehung beider Orte in einer Städtepartnerschaft institutionalisiert sehen. Zu seinem Geburtstag wünscht sich Güsgen statt Geschenken Spenden für den Verein Freunde von Duplek.
Und natürlich stehen auch an dem Ehrentag Sport und Völkerverständigung im Mittelpunkt. Um 18.30 Uhr beginnt auf der Gohrer Sportanlage ein Spiel zwischen einer Kreis- und einer Kölner Auswahl. Die anschließende Geburtstagsfeier im Bürgerhaus ist eingebettet in eine Vielzahl von Veranstaltungen im Rahmen der deutsch-slowenischen Woche, die am morgigen Samstag mit einem Straßenfest endet.
Heinz Willi Güsgen, bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet - eine noch höhere Ehrung steht angeblich bevor -, ist bei allem Erfolg und aller Ehre vor allem eines geblieben: "Dä Knibbel": engagiert, sportlich, herzlich - und den Menschen zugetan, ihren Sorgen, ihren Freuden, stets mit offenem Ohr zuhörend. Heinz-Willi Güsgen ist so etwas wie "der gute Geist von Gohr". Und wenn er gegen die realen Windräder kämpft, so hat das manchmal auch ein wenig Symbolcharakter. Chris Stoffels
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