Dormagen (NGZ). Mit Hellebarde, Schlüsselbund und Laterne führt Karl-Heinz Stumps einmal im Monat die Besucher von Zons durch die nächtliche Zollfeste. Auch heute erklärt er wieder anschaulich altbekannte historische Ereignisse der Stadt.
Nächster Termin
Wann: Die Nachtwächtertouren finden jeden dritten Freitag im Monat statt.
Wann genau: Nächster Termin ist heute um 19 Uhr.
Anmeldung: Bei der Tourist-Information in Zons unter Tel. 0 21 33 27 62 815.
Zons Wenn Karl-Heinz Stumps den Parker gegen einen schwarzen Mantel tauscht, den Hut aufsetzt und die Kerze in seiner Laterne anzündet, wird aus dem gemütlichen Rentner der Hüter des nächtlichen Zons. Wäre man sich nicht sicher, erst kürzlich das Jahr 2010 eingeläutet zu haben, so könnte man bei seinem Anblick meinen, man stecke im tiefsten Mittelalter. Denn Stumps sieht so aus, wie man sich den Nachtwächter einer alten Zollfeste eben vorstellt: mit Hellebarde und Schlüsselbund – und mit einer tiefen lauten Stimme.
Wer früher nachts die Sperrstunde auszurufen hatte, musste sich schließlich Gehör verschaffen können. Doch eines hat der Nachtwächter von Zons mit den echten Nachtwächtern von damals nicht gemeinsam: Die seiner Berufsgruppe früher häufig nachgesagte fehlende Redegewandtheit. Dass Stumps alles andere als wortkarg ist, beweist er regelmäßig während der mittlerweile im ganzen Dormagener Raum beliebten monatlichen Führungen durch Zons' Gassen, Tore und Plätze.
Hier erklärt er anschaulich altbekannte historische Ereignisse der Stadt – und kramt auch das ein oder andere Mal im Zonser Anekdotennähkästchen.
Zwischenzeitlich bläst der Nachtwächter auch in sein provisorisches Horn, das zur Belustigung der Besucher eher trötenartige Geräusche von sich gibt, und verkündet die Uhrzeit. Früher gab es schließlich noch keine Uhren. "Es ist beeindruckend, dass er sich sogar bei frostiger Kälte nicht davon abhalten lässt, eine geringe Anzahl von Besuchern durch die Gegend zu führen", sagt Sigrid Beaujean fröstelnd, die mit ihrem Mann und ihren beiden Enkeln bei der Nachtführung im Januar mit dabei war. Dort wagten sich die Teilnehmer nur dick eingepackt ins eisige Zons – immerhin eine Gelegenheit, das zu fragen, was man über das ehemalige Bauerndorf immer schon wissen wollte. Stumps selbst hingegen scheint resistent gegen jegliche Art von Kälte zu sein. "Ich führe die Leute auch bei minus zehn Grad durch Zons", verkündet der siebzigjährige Rentner, der ursprünglich herkömmliche Stadtführungen durch die Zollfeste veranstaltete und nun schon seit fünf Jahren im Nachtwächterkostüm dafür sorgt, dass während der nächtlichen Tour auch eine gewisse Gruselstimmung aufkommt.
Die schwarzen Zonser Fassaden, das spärliche Laternenlicht und die Totenstille machen den knapp eineinhalbstündigen Trip nicht gerade minder unheimlich. Selbst der Ur-Zonser, der glaubt jeden Winkel der Stadt zu kennen, kann im Dunkeln die eine oder andere Ecke entdecken, die ihm bisher verborgen geblieben ist. Stumps verhehlt dem Besucher zu keiner Minute seine Liebe zur Zollfeste, die er hegt, obwohl er "erst" 1968 zugezogen ist – im Bereich des Hochwasserpegelstandes des letzten Jahrhunderts, des genauen Rheinverlaufes in und um Dormagen und der Stadtgründung weiß der gebürtige Moselaner die Informationsmasse geschickter zu verpacken, als ein verstaubtes Geschichtsschulbuch. Sobald er seine Laterne gelöscht hat, wird aus dem Nachtwächter wieder der ehrenamtliche Zonser Denkmalschutzbeauftrage, der gerne Ski fährt und eine Mundart-Theatergruppe leitet. "Obwohl ich ein viel beschäftigter Mann bin, mache ich den Job als Nachtwächter mit Leib und Seele", so Stumps. Und so kann es auch nie lange dauern, bis er sich wieder die Ausrüstung schnappt und sich in den Nachtwächter von Zons verwandelt.
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