Dormagen (NGZ). Der demographische Wandel in Dormagen erfordert ein Umdenken bei der Immobilienpolitik: Innenstadtnähe und altengerechte Zuschnitte sind gefragt. Bei der Baugenossenschaft sind die Prozesse bereits in Gang gesetzt worden.
Die Gemeinnützige Baugenossenschaft Dormagen hat in den kommenden Jahren ein Mammutprojekt vor der Brust, das kaum geräuschlos über die Bühne gehen kann: Derzeit arbeitet die Gesellschaft an einer Analyse, die Aufschluss über die Herausforderungen der Zukunft bringen soll. Die Zuschnitte von 2500 Wohnungen stehen auf dem Prüfstand: viele davon "70 bis 80 Quadratmeter groß, drei Zimmer – so waren die Wohnungen in den 60er Jahren", sagt Axel Tomahogh-Seeth vom Vorstand der Genossenschaft.
Heute seien die Wohnungen kleiner und nicht mehr auf Familien mit Kindern ausgerichtet. 60 Quadratmeter, barrierefrei, ein großes Bad: der demographische Wandel – die Stadt Dormagen stellte vor wenigen Wochen eine Studie über den Alterungsprozess der Stadt vor – bringt weitere Herausforderungen. In der Neubaupolitik der Genossenschaft ist dieser Gedanke längst umgesetzt worden. Ab 2011 werden in Stürzelberg 27 barrierefreie Seniorenwohnungen gebaut; weitere Projekte gibt es in Uedesheim und Rösrath. Und der Altbestand? Der könnte auch baulich völlig umgekrempelt werden. "Aus dem Wirtschaftsgut Wohnung wird das Wirtschaftsgut Wohnen", meint Tomahogh-Seeth.
Zahlen und Fakten
Geburten in Dormagen
2009 – 489
2015 – 422
2020 – 422
2030 – 394
Sterbefälle in Dormagen
2009 – 589
2015 – 687
2020 – 785
2030 – 874
Auch bei der Stadt hat man sich auf die Entwicklung eingestellt. "Wir versuchen, das zentrumsnahe Wohnen zu fördern", sagt Wirtschaftsförderin Gabriele Böse. Die Firma Allard realisiert 52 Wohnungen in der Innenstadt. Doch es gibt etliche weitere Zukunftsbaustellen. Die Entwicklung der Frankenstraße, zusätzliche Wohneinheiten sind auch an Flora- und Vom-Stein-Straße anvisiert. Diskutiert wird über Wohnraumverdichtung.
Auch Hubert Franzen von Franzen Immobilien stellt der demographische Wandel vor neue Aufgaben. "Barrierefreiheit und ein Aufzug sind heute Grundvoraussetzung", erklärt der Makler. Auch für Franzen ist die Innenstadtnähe ein entscheidendes Kriterium. "Die Menschen möchten über den Markt bummeln, einen Kaffee trinken", sagt er. Auch Nievenheim, Delrath und Zons sieht er für die Zukunft gut gerüstet. Stadtteile wie Gohr und Straberg würden es – "trotz der schönen Lage" – schwer haben. Den Umbau von Bestandsimmobilien hält Franzen für schwierig: "Bei einer Wohnungsgenossenschaft mag das funktionieren, für einen privaten Anbieter ist das zu aufwendig." Viel Geld müsste man dafür in die Hand nehmen.
Die Genossenschaft kann über ein Investitionsvolumen noch keine Auskunft geben. Die Studie läuft. Doch Tomahogh-Seeth ist sicher: "Wir müssen uns anders aufstellen, es kommt eine Menge auf uns zu."
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