Dormagen (NGZ). Dormagen Das Logistik-Unternehmen Fiege mit bis zu 700 Arbeitsplätzen geht nach Uedesheim. Oder Duisburg, oder Antwerpen. Dormagen hat das Nachsehen, obwohl die 45 Hektar Fläche westlich der Autobahn 57 erklärter Favorit des alt-eingesessenen Familienunternehmens aus dem westfälischen Greven war.
Doch die Bezirksregierung Düsseldorf machte der Stadt einen Strich durch Rechnung. Bürgermeister Heinz Hilgers im Hauptausschuss: „Wir haben auch jetzt nach fast zehn Monaten Verhandlungen immer noch keinen Bescheid, den wir anfechten könnten.“ Einige Politiker im Hauptausschuss vermuten dahinter Taktik der Behörde an der Düsseldorfer Cecilienallee.
Doch die Zeit drängt, das Interesse an einem Gewerbegebiet an der A 57 ist riesig. Der Bürgermeister: „Das Unternehmen Trinkgut mit dem gebürtigen Dormagener Thorsten Töller an der Spitze hat riesiges Interesse, ist bereit sogar noch ein zwei Jahre zu warten.“
Das Getränke-Unternehmen will dort bis zu 450 neue Arbeitsplätze schaffen. Ein weiterer möglicher Investor, der heute in beengten Verhältnissen in Köln arbeitet, hat mit einem interessanten Konzept ebenfalls ein mögliches Engagement signalisiert, auf diese Fläche nach Dormagen zu kommen. Die Rede ist von bis zu 250 Arbeitsplätzen. Hilgers: „Das wären zusammen etwa 700 Arbeitsplätze.“
Die Geduld der Betroffenen nicht strapazieren
Bislang sind der Stadt nach Angaben von Heinz Hilgers auf Anfrage der FDP-Fraktion durch die Hinhaltetaktik der Bezirksregierung direkt nur 644 Euro Kosten für öffentliche Bekanntmachungen entstanden.Hilgers: „Die Kosten für die Gutachten hat Fiege getragen.“
Ein Problem sind die Grundstückskäufe. Es sind Vorverträge geschlossen werden, allerdings kann die Stadt jetzt nicht kaufen, wenn noch keine endgültige Klarheit herrscht. Hilgers: „Wir können die Grundeigentümer nicht ewig strapazieren.“ Mittlerweile werden im Dormagener Rathaus auch juristische Schritte gegen die Bezirksregierung überlegt, zum Beispiel eine Klage auf einen rechtsfähigen Bescheid, der dann angegriffen werden kann.
Doch alles hängt an der Bezirksregierung. Hilgers widerspricht der Darstellung des Pressesprechers der Düsseldorfer Behörde in einem Leserbrief an die NGZ, der Stadt sei von vorneherein deutlich gemacht worden, dass das Gewerbegebiet keine Chancen habe. Hilgers belegt anhand von Gesprächsnotizen des Mitarbeiters der Bezirksregierung, dass „das Ergebnis offen“ sei.
So seien der Stadt zuletzt in einem Arbeitsgespräch am 4. Juni die Klärung weiterer Sachverhalte aufgegeben worden, so unter anderem ein Klimagutachten des Deutschen Wetterdienstes. Hilgers: „Gutachten können nur dann angefordert werden, wenn das Projekt eine Chance auf Realisierung hat. Uns wurde eine faire Abwägung zugesagt. “
Erst in einem weiteren Termin am 20. Juli , an dem Erster Beigeordneter Ulrich Cyprian und Wirtschaftsförderer Bernd Blochwitz teilnahmen, sei eine Ablehnung signalisiert worden. Cyprian: „Dennoch will die Bezirksregierung das Thema offensichtlich nicht in die Regionalplanung einbringen.“
Dort müsste am Ende ein rechtsmittelfähiger Bescheid stehen. „Den könnte die Wirtschaftsministerin des Landes dann korrigieren“, erläutert Hilgers ein mögliches weiteres Verfahren. Christa Thoben ist in Kürze in Dormagen; Lutz Lienenkämper (CDU) aus dem Rhein-Kreis Neuss ist Vorsitzender des mächtigen Wirtschaftsausschusses.
Die Bezirksregierung verweist auf das Silbersee-Gelände, das „unbedingt als Gewerbegebiet zu nutzen ist“, wie es in dem Leserbrief heißt. Für Hilgers ist diese Ansicht lebensfremd: „Seit 30 Jahren scheitern Vermarktungsversuche an der Arsenblase, die dort lagert. Daran wird sich auch nichts ändern.“ Die RWE AG als Grundstückseigentümerin hat alle Vermarktungsversuche längst eingestellt.
Auch der Einwand aus Düsseldorf, das Gebiet zwischen der Autobahn und Hackenbroich als Gewerbefläche zu anzubieten, geht fehl: „Wir haben aktuell drei Mal mit Bayer verhandelt. Doch die wollen das Areal unbedingt als Abstandsfläche zu den gefährlichen Gütern im Chemiepark halten.“ Auch das müsse die Bezirksaregierung als eine Tatsache akzeptieren.
Jetzt soll politisch über die Landtagsabgeordneten aus dem Kreis doch noch erreicht werden, dass das Thema auf der Tagesordnung des Bezirksplanungsrates steht. „Wir müssen doch einen normalen Bescheid haben, damit wir wissen, wo wir dran sind“, so Hilgers ziemlich sauer. „Wir werden einfach in der Schwebe gehalten. So kann man mit uns nicht umgehen. “
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