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Dormagen: Ein Modell macht Schule

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 21:30

Dormagen (NGZ). Dormagen Zierlich, eilig, quirlig - dabei schlagfertig und stets bereit zu lächeln - Bundes-Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) ist in der Stadt. Ihr Zeitfenster ist knapp bemessen: Zwischen der Jugendhilfe-Messe in Essen und dem nächsten Termin in Berlin ist sie am Mittwochnachmittag nach Dormagen gejettet.

Bundes-Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen (M.) trägt sich im Rathaus in das Goldene Buch der Stadt Dormagen ein. Mit dabei die gesamte politische Prominenz der Stadt. Die Ministerin informierte sich über das Dormagener Modell.  Foto: Hans Jazyk
Bundes-Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen (M.) trägt sich im Rathaus in das Goldene Buch der Stadt Dormagen ein. Mit dabei die gesamte politische Prominenz der Stadt. Die Ministerin informierte sich über das Dormagener Modell. Foto: Hans Jazyk

Dort lebt und arbeitet nicht nur der Präsident des Deutschen Kinderschutz-Bundes, dort hat Bürgermeister Heinz Hilgers zusammen mit den Experten um Fachbereichsleiter Gerhard Trzeszkowski auch das „Dormagener Modell“ entwickelt. Und das ist dabei, in der Republik Furore zu machen.

Die Ministerin auf Spurensuche an der Quelle. „Vorbeugung statt Reparaturbetrieb“, so die knappe Formel des Modells, das sich die Ministerin erläutern ließ.

Es beginnt beim Baby-Begrüßungspaket, das Hilgers ihr mit auf den Weg gab: Nach jeder Geburt schaut ein Mitarbeiter des Fachbereichs Kinder und Familien bei Mutter und Kind vorbei, übergibt eine Mappe mit Tipps, Informationen und nützlichen Dingen, bietet Hilfe an, wenn nötig. Hilgers: „Seit zwei Jahren machen wir diese Besuche und haben einen enormen Rücklauf.“

Info
Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen (49) ist die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Sie war von 2003 bis 2005 Sozial-, Gesundheits- und Familien-Ministerin in Niedersachsen, ist seit 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie ist seit 1986 mit dem Medizin-Professor Heiko von der Leyen verheiratet; das Paar hat sieben Kinder.

Sozialarbeiter besuchen die Familien, helfen frühzeitig, stellen Verbindungen her. Mittlerweile setzt der Kontakt zu den „Ämtern“ noch während der Schwangerschaft ein: „Frauenärzte, Hebammen, Sozialarbeiter bilden ein Netzwerk, das bei Bedarf so früh wie möglich eingreifen kann.“ Ein Modell, das die Ministerin interessiert. Eine Besorgnis bei ihr: „Das gesamte Netzwerk muss eine Sprache sprechen und von einer Begrifflichkeit ausgehen.“

Die Kosten des Modells sind ein weiteres Thema in dem intensiven Gespräch im Rathaus. Hilgers kann berichten, dass mit den Erfolgen der vorbeugenden Angebote die Kosten für den „Reparaturbetrieb“ in der Erziehungshilfe deutlich abgenommen haben. „Wir konnten sogar Personal einsparen beziehungsweise umstrukturieren“, so der Bürgermeister.

Modell und weithin Vorreiter ist Dormagen auch in der Ausstattung mit Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige. Für alle Kinder dieser Altersklasse, die einen Platz benötigen, sollen bald Möglichkeiten geschaffen werden. Ob Mutter oder Vater die bessere und wichtigere Bezugsperson für das Kind sei? Ein müßiges Wortgeplänkel zwischen Ministerin und Bürgermeister.

„Es ist nicht gut für die Kinder, wenn sie isoliert aufwachsen, das Einzelkind ist nicht der Normalfall“, so von der Leyen, ihrem Typ entsprechend mit sportlicher Eleganz im schwarzen, am Revers gesteppten Hosenanzug mit gelbem Top.

Drei Punkte sind für die Ministerin das Bestechende an dem „Dormagener Modell“. Zum einen zeige das „Klima des Vertrauens“ zwischen allen Beteiligten am Erziehungsprozess des Kindes, wie wichtig der frühe und vorbehaltlose Ansatz sei.

Zum zweiten hebt sie die „Kultur der Vernetzung“ hervor: „Alle schauen gemeinsam auf das Wohl des Kindes - darin liegt das Geheimnis des Erfolges“. Schließlich sei das Kostenargument des Dormagener Modells bestechend gut: „Frühe, wirksame, kostengünstige Vorbeugung statt später, begrenzt wirksamer und teurer Erziehungshilfen“, so das Motto.

Das Zeitfenster ist eng. Dennoch kann sich Vize-Bürgermeister Hans Sturm die Frage nach den Ulk-Spots im WDR nicht verkneifen. Sie hat davon gehört, lebt jedoch im NDR-Gebiet - lächelte und entschwand.

Quelle: NGZ


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