Dormagen (NGZ). Dormagen Silvia (35) wird am Silvesterabend um Punkt Mitternacht mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anstoßen. Hannes (50) wird zum Neujahrsfrühstück Hering in Tomatencrème essen. Was für viele Dormagener eine traditionelle Selbstverständlichkeit ist, könnten sich die allein erziehende Mutter von zwei Kindern und der Hartz IV-Empfänger eigentlich nicht leisten.
„Ich habe kein Geld, um Sekt zu kaufen “, sagt Silvia. Trotzdem wird ihr Glas gefüllt sein - dank der Weihnachtskistenaktion der Dormagener Tafel. „Alkohol ist bei uns das ganze Jahr ein Tabu, bei der Weihnachtskiste machen wir eine Ausnahme“, sagt Claudia Manousek, Leiterin der Dormagener Tafel. 450 Körbe, Pakete und Kisten hat die Hilfsorganisation in den vergangenen Tagen gesammelt - 110 mehr als im vergangenen Jahr.
Der steigende Bedarf an Weihnachtskisten spiegelt die Entwicklung des vergangenen Jahres wider. Kamen 2007 noch rund 240 Familien regelmäßig zur Tafel, um sich einmal in der Woche für einen Euro ein Lebensmittelpaket abzuholen, sind es inzwischen im Schnitt rund 385 Familien. „Pro Öffnungstag versorgen wir rund 1000 Menschen“, sagt Manousek. Dazu gehörten zunehmend nicht nur Dormagener, sondern auch Bedürftige aus dem Neusser Süden, dem Kölner Norden, Rommerskirchen und sogar Pulheim.
Eine Tendenz, auf die Manousek und ihr Team von knapp 90 Ehrenamtlern jetzt reagieren mussten. „Wir haben einen Aufnahme-Stopp für Menschen, die nicht aus Dormagen kommen“, sagt die Tafel-Leiterin. Bei Hilfesuchenden aus Worringen und Roggendorf/Thenhofen drücke sie ein Auge zu. Weil es Versorgungsengpässe in Köln gebe, beliefert die Dormagener Tafel inzwischen auch Ausgabestellen in Chorweiler und Heimersdorf.
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