Biomasseheizung im Raphaelshaus offiziell vorgestellt (NGZ). Von Carsten Sommerfeld
Selten hat eine Heizungsanlage solche Aufmerksamkeit erregt wie die des Raphaelshauses, aber dort steht auch eine besondere Anlage: Im Rahmen des LSDN-Projektes (Local Sustainable Development Network) entstand eine Biomasseheizung, die mit Holz betrieben wird. Am Montag wurde die Anlage offiziell vorgestellt. Stellten das im Rahmen des LSDN-Projekt entstandene Biomasse-Heizwerk vor: (v.l.) Michael Hehemann und Geschäftsführer Rudolf Esser von der EVD, Bürgermeister Reinhard Hauschild und Hans Scholten, Leiter des Raphaelshauses. Um 80 Prozent konnte der Kohlendioxid-Ausstoß gegenüber der alten Heizung verringert werden. NGZ-Foto: M. Reuter
Der große Vorteil der Heizung: Jährlich stößt sie gegenüber ihrer Vorgängerin 670 Tonnen - beachtliche 80 Prozent - weniger Kohlendioxid im Jahr aus. "Damit werden die Leitlinien des Klimagipfels in Rio weit übererfüllt", erklärte stolz "Hausherr" Hans Scholten vor vielen Gästen aus Politik, Verwaltung und des Generalvikariats. Schließlich habe sich das Haus als ein Ziel gesetzt, "auf die Bewahrung der Schöpfung durch eine umweltgerechte Betriebsführung" zu achten. Dringend erneuerungsbedürftig war die alte Heizungsanlage.
Eine Lösung fand sich im Rahmen des LSDN-Projekts. Neben Dormagen gehören die Städte Fürstenwalde, Tulln (Österreich), Redange (Luxemburg) und Toro (Spanien) dem Umwelt-Netzwerk an. Das Ziel: den Treibhauseffekt durch Kohlendioxid mit Hilfe alternativer Energien vermindern. Michael Wießner vom Forstamt Mönchengladbach sprach vom möglichen Anstieg um 5,6 Grad Celsius in den nächsten 100 Jahren. Zwei Projekte wurden in Dormagen angepackt - eine Biogasanlage in Stürzelberg und die Biomasseheizung im Raphaelshaus.
Betreiber ist die Energieversorgung Dormagen (evd); sie hat "mit dem Raphaelshaus einen Wärmeservicevertrag über 15 Jahre geschlossen", so EVD-Geschäftsführer Rudolf Esser. "Zwei Holzkessel mit 400 und 100 Kilowatt erzeugen die Wärmegrundlast, an kalten Tagen wird ein Erdgaskessel zugeschaltet", erklärt EVD-Mitarbeiter Michael Hehemann. Die nachwachsende Energie, in Form von Holzhackschnitzeln aus Einwegpaletten, lagert im rund 60 Kubikmeter fassenden Bunker nebenan. Bürgermeister Reinhard Hauschild sprach von einem "Comeback" des uralten Energieträgers Holz, doch die "Wiederentdeckung" verlief nicht ohne Probleme: "Zuerst haben wir es mit Waldholz versucht, aber das war unter anderem zu feucht", berichtet Hehemann.
Eine Aufbereitungsanlage in der Eifel soll Abhilfe schaffen. Über die Rauchgase eines Kessels wird zudem ein Stirling-Motor angetrieben, der neun Kilowatt Strom stündlich ans EVD-Netz abgeben kann. "In dieser Form ist der Stirling-Motor bei uns einmalig", fährt Hehemann fort. Der Antrieb arbeitet anders als Otto- oder Dieselmotor, benutzt Helium als Arbeitsgas. Ein Dauerbetrieb sei aber noch nicht möglich, der Wärmetauscher arbeite noch nicht einwandfrei.
Rund 750.000 Euro kostet das Gesamt-Projekt, einen großen Teil übernahm das Land mit Mitteln der Holzabsatzförderung. Während Dormagen schon im Ziel ist, sind andere LSDN-Partner noch nicht so weit. "Wir machten uns gemeinsam auf eine Entdeckungsreise. Nicht immer konnte alle glatt laufen", so Hauschild. Sorge mache vor allem Toro, dort wurde die geplante Rebschnittheizung nicht realisiert. Und hinter dem Ersatzprojekt, ein mit Pflanzenöl betriebenes Kraftwerk in einem Hotel, stehen Fragezeichen. Auch in Fürstenwalde und Redange wird noch kräftig gearbeitet, nur bis Juni läuft noch das LDDN-Projekt.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.