Dormagen (NGZ). Ein Jahr früher als die allermeisten Gymnasiasten legen die ersten Schüler des Leibniz-Gymnasiums bald ihr Abitur ab – weil ihre Schule sich an einem NRW-weiten Pilotoprojekt beteiligt hat. Die Erfahrungen sind positiv.
Am 29. Juni wissen es alle ganz genau, ob sich das Risiko gelohnt hat. An diesem Tag werden am städtischen Leibniz-Gymnasium die Abiturzeugnisse überreicht. Wenn alle Kandidaten die Reifeprüfung schaffen, werden es 230 Urkunden sein, darunter 90 ganz besondere.
Sie bekommen die Schüler, die zum ersten Mal bereits nach acht gymnasialen Jahren ihr Abitur bauen und damit ein Jahr früher als die allermeisten andere Schüler in NRW. Denn das Leibniz-Gymnasium ist eine von lediglich 17 Schulen in Nordrhein-Westfalen, die sich im Rahmen eines Pilot-Projekts auf das "G8-Abitur" eingelassen haben.
Leibniz-Gymnasium
Gründung 1973
Schülerzahl 1050
Einzugsgebiet gesamtes Stadtgebiet Dormagen, Rommerskirchen und der Norden von Köln
Besonderes Kooperation mit der Realschule Hackenbroich, im Bereich der Oberstufe mit der Ber-tha-von-Suttner-Gesamtschule und dem BvA-Gymnasium
Für Schulleiter Herbert Kremer steht das Fazit schon jetzt fest: "Es war richtig, dass wir uns darauf eingelassen haben." Allen Schulen wurde damals angeboten, ins vorgezogene G8-System einzusteigen. Nur wenige taten dies, eine Reihe sprang unterwegs wieder ab, 17 zogen es durch. "Es war nicht leicht", sagt Kremer. "Konkrete Lehrpläne, passende Schulbücher – das gab es nicht."
Trotzdem ließen sich Eltern, Kinder und Lehrer darauf ein. Voraussetzung war die Zustimmung der Eltern der betroffenen fünften Klassen. Während das Schuljahr schon lief, wurde intensiv diskutiert, Vor- und Nachteile abgewogen und letztlich abgestimmt. Abgemeldet hat sich kein Kind. Kremer: "Es gab eine deutliche Mehrheit für das Pilotprojekt." Ein wichtiges Argument war: Die Kinder kommen als Doppeljahrgang nicht mit der großen Schülermasse im nächsten Jahr auf den Ausbildungsmarkt. "Heute sind uns Schüler und Eltern dankbar und wissen diesen Umstand zu schätzen."
Diese so genannte Pilot-Klasse stand in den Folgejahren im Fokus von Schulleitung und Lehrerschaft. Kremer: "Wir haben den Eltern versichert, dass wir uns ganz besonders um diese Klasse kümmern werden." Das bedeutete: weniger Unterrichtsausfall, bei Bedarf Fördermaßnahmen, möglichst wenig Lehrerwechsel, in Englisch, Mathe und Deutsch eine zusätzliche Stunde.
Das schulinterne Curriculum wurde angepasst. Ziel: "Am Ende der Klasse 9 sollen die Kinder so weit sein, dass sie gut vorbereitet in die Oberstufe einsteigen können." Dass das gelang, beschreibt Spanisch-Lehrerin Britta Flamm so: "In meinem Kurs wusste ich nicht, wer ein ,G8'- oder ein ,G9'-Kind ist."
Vielmehr stellte sich sogar heraus, dass die jüngeren Schüler oftmals die besseren Leistungen zeigten. "Sie haben sich schnell an den Älteren orientiert und angepasst", so Kremer. Erst nach und nach kamen aus Düsseldorf detaillierte Unterlagen und Stundentafeln zu G8. Wenn im nächsten Schuljahr am Leibniz-Gymnasium schon der zweite Jahrgang nach acht Jahren sein Abitur baut, konnte die Schule die Erfahrungen mit dem Pilot-Jahrgang einbringen – auch ein Vorteil, sagt Kremer.
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