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Dormagen: Es war Mord!

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 09.09.2007 - 21:30

Dormagen (NGZ). Dormagen Die Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1987. Genf. Hotel „Beau Rivage“. Zimmer 317. Dr. Uwe Barschel, vor einer Woche zurückgetretener Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wird blutüberströmt in der Badewanne aufgefunden. Mord? Selbstmord? Die Spekulationen reißen auch nach 20 Jahren nicht ab.

Der Dormagener Autor Eduard Breimann (66) bei einem Besuch bei Freya Barschel (60) in ihrem Landhaus in Mölln.  Foto: NGZ-Online
Der Dormagener Autor Eduard Breimann (66) bei einem Besuch bei Freya Barschel (60) in ihrem Landhaus in Mölln. Foto: NGZ-Online

„Es war Mord! Das ist nicht nur die Meinung meiner Familie. Das habe ich immer wieder durch Untersuchungsergebnisse und Recherchen bestätigt gesehen“, erklärt die Witwe Freya Barschel (60) dem Dormagener Autor Eduard Breimann (66) bei einem Besuch in ihrem Landhaus in Mölln.

Breimann ist auf der Spur nach der Wahrheit. Auch der Lübecker Oberstaatsanwalt Heinrich Wille teilt ihren Worten zufolge offenbar die Mordtheorie. Aber die Politik duldet keinen Mord...

Länger als zwei Jahre hat Breimann recherchiert, Unterlagen gesichtet und ausgewertet. Sein Schweizer Verleger Werner Hense hat ihn auf das Thema gebracht.

Er begleitet Breimann auch in das Herrenhaus am Schmalsee. Beide haben die ersten druckfrischen Exemplare des Buches im Gepäck. Freya Barschel hatte durch den Verlag über das Erscheinen des neuen Romans erfahren.

Danach hatte es mehrfach telefonischen Kontakten zwischen ihr und dem Autor gegeben. „Ich bin in Hochspannung nach Mölln gereist. Es war ein beklemmendes Gefühl, in dieser herrlichen Atmosphäre mit der Gastgeberin über den Mord an ihrem Mann zu sprechen“,berichtet Eduard Breimann.

Bei den Recherchen der vergangenen zwei Jahre wird Breimann schell die Brisanz der Ereignisse von Genf klar. Wenn es Mord war - dann musste es ein Motiv gegeben haben. Drei Möglichkeiten tun sich auf: Barschel - ein Spion der DDR? Breimanns Kommentar „Quatsch“.

Auch für die Behauptung, der ehemalige Ministerpräsident sei in Waffengeschäfte verwickelt gewesen, gibt eslaut Breimann keine Anhaltspunkte. Bleibt das „Projekt Hannibal“ so der Titel des Buches. Eduard Breimann stützt. Eine abenteuerliche Theorie.

Doch Breimann kann sich auf die Aussage des ehemaligen Mitglied des Mossad (israelischer Geheimnis), Victor Ostrovsky, stützen, der heute in Kanada lebt. Breimann: „Auf zwei DIN A 4-Seiten sind die Zusammenhänge genau beschrieben.“

1987 - seit fünf Jahren herrscht Krieg zwischen Iran und Irak. Der Iran liegt nach dem Ende des Schah-Regimes am Boden: Es gibt keine Ersatzteile für die Flugzeuge und keine Piloten mehr, die sich der Angriffe aus dem Irak erwehren könnten.

In dieser Situation, so der Mossad-Informant, soll sich der iranische Geheimdienst ausgerechnet an den Todfeind Israel gewendet haben, mit der Bitte, bei der Pilotenausbildung und der Ersatzteilbeschaffung zu helfen.

Der Mossad nutzte Kontakte nach Italien, nach Dänemark - und zum BND (Bundesnachrichtendienst). Der soll über die Ostseehäfen Ersatzteile verschiffen. Piloten werden von Israelis an einem Stützpunkt in Schleswig-Holsten ausgebildet.

Als Barschel davon erfahren habe, soll er „ausgerastet sein“, so Breimann. „Der Ministerpräsident wollte das Projekt sofort stoppen.“ Für die Geheimdienst konnte das nur eine Konsequenz bedeuten: Barschel wurde gefährlich, er musste verschwinden.

Sein Flugzeug wurde manipuliert, stürzte ab, es gab drei Tote - er überlebte. Nach der Affäre um seinen Medienreferenten Reiner Pfeiffer musste Barschel zwar am 2. Oktober 1987 zurücktreten, nahm sein Wissen jedoch mit... Blieb nur der Mord?

Eine Selbsttötung schließt Freya Barschel im Gespräch mit Breimann aus: „Es gab doch keinen Grund; die Politik hatte er abgehakt. Wir hatten so viele Pläne. Er wollte mit uns nach Kanada.“

Quelle: NGZ

 
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