Dormagen (NGZ). Stürzelberg Mit starrem Blick beobachtet der Kapitän, wie sein Schiff sinkt. Sein Vater neben ihm läuft unruhig auf und ab, schüttelt immer wieder fassungslos den Kopf, wischt sich einige Tränen aus den Augenwinkeln: Innerhalb von nur zwei Stunden ist die Existenzgrundlage der niederländischen Familie zerstört worden.
Ihr Schiff Allegro ist samt Ladung und Privatwagen gesunken. Der Kapitän, sein Vater, seine Frau, sein vierjähriger Sohn und ein Matrose konnten rechtzeitig unverletzt in Sicherheit gebracht werden. Die Katze der Familie und zwei Goldhamster, die mit auf Tour waren, damit sich besonders das Kind unterwegs wohl fühlt, konnten nicht mehr gerettet werden.
Es war eine Routinefahrt - ruhig, ohne Komplikationen, ohne Zeitstress. Das niederländische Schiff Allegro war am Montag in Rotterdam losgefahren und hatte am Mittwoch gegen 6 Uhr am Terminal des Stürzelberger Unternehmens UCT angelegt. Geladen waren rund 40 000 Tonnen Aluminium-Barren, die dort entladen und zum Unternehmen Hydro nach Norf über die Straßen weiter transportiert werden sollten.
Was genau geschehen ist, war bis am Mittwoch Abend noch immer nicht geklärt: Offenbar war das Schiff beim Entladen in eine leichte Schieflage geraten. Als ein Containerschiff mit hoher Geschwindigkeit an der Ladestelle vorbeifuhr, schwappte eine Welle über den Bug - und Wasser drang in den Schiffsrumpf ein. Danach ging alles sehr schnell. Innerhalb kürzester Zeit war der vordere Bereich des Schiffs auf Grund gelaufen. Gegen 9.50 Uhr brach die Allegro auseinander.
„Wir haben uns natürlich als erstes um die Besatzung gekümmert und die Familie und den Matrosen in Sicherheit gebracht“, sagt Sebastian Hopf, Handlungsbevollmächtigter bei der UCT. Sie wurden in einem Büroraum des Unternehmens untergebracht und dort versorgt, erhielten warme Jacken und eine Tasse Kaffee. „Die Frau war vollkommen fertig, und der Junge hat immer wieder nach seiner Katze gefragt“, erzählt Hopf.
Die Feuerwehr rückte mit neun Fahrzeugen und 27 Einsatzkräften gegen 8.20 Uhr an. Weder sie noch mehrere Löschboote aus Neuss, Düsseldorf und von Bayer konnten jedoch verhindern, dass das Schiff sinkt. „Wir konnten die Allegro leider nicht mehr betreten, um nach den Tieren zu suchen, das wäre einfach zu gefährlich gewesen“, erklärt der Dormagener Feuerwehrchef Werner Rieck. Die Wasserschutzpolizei in Duisburg, die sofort informiert wurde, sperrte die Schifffahrt entlang der Unfallstelle bis 14.30 Uhr. Insgesamt mussten 48 Schiffe warten.
Für die Bevölkerung bestand keine Gefahr. Kurz nachdem das Schiff gesunken war, trat zwar Dieselöl aus der Maschine aus - und sorgte bis in die Nacht für unangenehme Geruchsbelästigungen entlang des Rheins. Die Konzentration war nach Angaben Riecks jedoch unbedenklich. Um das angrenzende Naturschutzgebiet Silbersee zu schützen, errichtete die Feuerwehr Ölsperren.
UCT wird heute versuchen, mit Hilfe von Fachunternehmen die Aluminium-Ladung im gesunkenen Schiff zu bergen. „Das wird sicherlich einige Tage dauern“, meint Hopf. Diese Be- und Entladestelle auf dem Gelände kann in dieser Zeit nicht genutzt werden. Außerdem beschäftigen sich Versicherungsfachleute mit der Schiffshavarie. Die Höhe des Gesamtschadens steht noch nicht fest. Er dürfte jedoch im siebenstelligen Bereich liegen.
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