Dormagen (NGZ). Dormagen Emotionen sind auch Fakten. Mit diesen Worten geht Chemieparkleiter Dr. Walter Leidinger in die Offensive und reagiert auf die heftigen Proteste der vergangenen beiden Wochen gegen den Transport von rund 1500 Tonnen giftigem Hexachlorbenzol (HCB) von Australien nach Dormagen.
Dort soll die weltweit geächtete Chemikalie verbrannt werden. „Ich habe den Bedarf an Informationen vollkommen unterschätzt“, so Leidinger. Offensichtlich gebe es in der Bevölkerung große Vorbehalte gegen das Geschäft von Bayer mit dem australischen Sprengstoffunternehmen Orica. „Ich habe das unterschätzt, weil die Verbrennung dieses Stoffs für uns wirklich nichts Außergewöhnliches ist“, sagt Leidinger.
Bereits seit Jahren werde HCB regelmäßig in Dormagen entsorgt. Nach dem Flughafenbrand in Düsseldorf habe Bayer beispielsweise die Verbrennung der entstandenen Schadstoffe übernommen.
Die Anlage sei auf dem modernsten Stand, betont Joachim Beyer, Leiter der Verbrennungsanlagen bei Bayer. Alle Grenzwerte würden auch bei der Verbrennung von HCB deutlich unterschritten, bei einer Störung schalte sich die Anlage ab. Der Stoff werde in hermetisch verschlossenen Stahlfässern bis in den Hochofen transportiert und erst dort durch die große Hitze geöffnet.
Bei einem Temperaturabfall unter 1100 Grad werde der Verbrennungsprozess sofort gestoppt.
Das emotional größte Problem seien offenbar die weiten Transportwege, meint Leidinger. Für diesen Transport sei Orica zuständig. Bayer werde ihn jedoch begleiten. Geplant sei, dass 3000 bis 4000 Tonnen auf ein Frachtschiff unter Deck verladen würden, das in Südafrika zwischentanke und dann bis Brunsbüttel durchfahre. Dort würden die Fässer auf die Schiene verladen, in Leverkusen noch einmal auf Lastwagen umgepackt.
„Orica legt viel Wert auf einen sicheren Transport und hat für 20 Millionen Euro extra eine neue Verpackungsanlage nur für HCB gebaut“, erklärte Beyer. Insgesamt sollen 22 000 Tonnen verbrannt werden.
Es sei richtig, dass der Bau einer Verbrennungsanlage in Australien gescheitert sei. „Dort hat man sich genau wie in den USA bislang nie mit der Entsorgung von Schadstoffen beschäftigt, weil es genug Platz für Deponien gab“, so Beyer. „Deshalb sind wir in diesem Bereich viel weiter.“
Seit 2004 schreibe die Stockholmer Konvention eine Entsorgung vor. Die Vorbehalte gegen eine Verbrennungsanlage seien jedoch so groß gewesen, dass eine Anlage zumindest kurzfristig nicht durchsetzbar gewesen sei. Deshalb sei Orica auf Bayer zugekommen. „Das wird sich langfristig natürlich ändern“, meint Beyer.
Auch in den USA und Australien werde die chemische Industrie unter den neuen Voraussetzungen nicht am Bau eigener Entsorgungsstationen vorbei kommen. „Das bedeutet für uns dann natürlich auch Konkurrenz, das muss jedem klar sein, der jetzt diese Forderung stellt“, betont Leidinger. Auch Beyer erklärt: „Auf dem jetzigen hohen Niveau können wir unsere Anlage nur halten, wenn wir investieren - und dafür müssen wir Gewinne erwirtschaften.“
Die Ängste der Bürger bei diesem Thema könne er nachvollziehen, erklärt Leidinger. „Es gibt immer ein Restrisiko“, räumt Theodor Bonkhofer, Leiter der Verbrennungsanlage in Dormagen, ein. Es gebe keine Garantie, dass bei allen Sicherheitsvorkehrungen auf dem Transport dennoch Stahlfässer aufschlagen und das Pulver austritt.
Um interessierte Bürger genauer über diese Sicherheitsstandards und den Mechanismus der Verbrennungsanlage zu informieren, ist am Sonntag, 4. Februar, ein Tag der offenen Tür geplant. Gleichzeitig erhalten Samstag alle Dormagener ein Schreiben des Chemieparks, in dem Telefonnummern für weitere Fragen angegeben sind. Der Rat der Stadt hatte sich bereits am Donnerstag vor Ort informiert.
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