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Dormagen: Google fotografiert Dormagen

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010 - 21:30

Dormagen (NGZO). Der Internetkonzern Google will sein umstrittenes Projekt "Street View" in diesem Jahr in Dormagen umsetzen. Straßenzüge in der Stadt werden mit einem Kamera-Auto fotografiert. Politiker sehen die Privatsphäre gefährdet.

Das schwarze Auge – Noch in diesem Jahr wird Google auch durch Dormagen fahren, um mit 360-Grad-Kameras für das Programm "Street View" die Umgebung zu  Foto:  Archiv
Das schwarze Auge – Noch in diesem Jahr wird Google auch durch Dormagen fahren, um mit 360-Grad-Kameras für das Programm "Street View" die Umgebung zu Foto: Archiv

In anderen Städten laufen Bürger und Politiker bereits Sturm gegen "Street View". Nun soll das umstrittene Programm des Internetkonzerns Google auch in Dormagen umgesetzt werden. "Wir werden ,Street View' noch in diesem Jahr flächendeckend verfügbar machen", erklärt Google-Sprecherin Lena Wagner auf Nachfrage der NGZ. Aufgrund des Wetters seien Aufnahmen im Frühjahr 2010 geplant. Im Vorfeld werde nicht bekannt gemacht, wann es losgeht.

Deutschlandweit fahren mit Kameras ausgestattete Google-Autos durch die Straßen um 360-Grad-Rundumsichten öffentlicher Straßen zu fotografieren. Kritik regt sich seit Beginn insbesondere bei Datenschützern. Auch in Dormagen sind die Politiker skeptisch. "Es ist ganz wichtig, dass die Bürger wissen, wann das stattfindet", sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Beate Brebeck. Die Verwaltung müsse dann den Bürgern ermöglichen, per Formular im Internet oder Bürgeramt Widerspruch zu erheben. Brebeck findet besonders bedenklich, dass die erhobenen Daten in die USA geschickt und dort bearbeitet werden. "Was auf dem Weg dorthin passiert, wissen wir nicht", sagt sie.

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Was Google bedeutet

"Googol" ist der mathematische Fachbegriff für eine 1 gefolgt von 100 Nullen. Der Begriff wurde von Milton Sirotta, einem Neffen des amerikanischen Mathematikers Edward Kasner, erfunden und in dem Buch "Mathematics and the Imagination" von Kasner und James Newman verbreitet. Googles Wortspiel mit dem Begriff spiegelt das Ziel des Unternehmens wider, die gewaltige Menge an Informationen zu organisieren, die im Web verfügbar ist.

Auch bei den anderen Parteien herrscht Skepsis: Von "grundsätzlichen Bedenken" (CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer), über "die Verfremdung ist wichtig" (SPD-Fraktionsvorsitzender Bernhard Schmitt) bis "generell reserviert" (Grünen-Fraktionsvorsitzender Ingo Kolmorgen) reichen die Kommentare.

Das Programm zu stoppen ist schwierig. "Dass das Projekt angegangen wird, können wir rechtlich nicht verhindern", sagt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann. Die Stadt werde aber, wenn es so weit ist, das Vorhaben auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte hin überprüfen. Dem Beispiel der Stadt Ratingen, die eine Gebühr pro gefahrenen Kilometer von Google fordert, will der Bürgermeister nicht folgen: "Wir setzen auf eine vernünftige Kooperation."

Google immerhin verspricht: ",Street View' beinhaltet ausschließlich Bildmaterial von öffentlichen Straßen, welches sich nicht von solchen Bildern unterscheidet, die jeder beim Entlangfahren einer Straße sehen und aufnehmen könnte." Bildmaterial dieser Art sei in vielfältiger Weise für Städte auf der ganzen Welt verfügbar. Google entfernt auf Verlangen Bilder von Nutzern, deren Kindern, Autos oder Häusern vollständig aus "Street View", auch wenn die Bilder bereits entfremdet worden seien. Noch sind die "Street-View"-Fotos deutscher Straßen nicht im Netz, die Anfragen besorgter Bürger gering. "Das könnte anders werden, wenn das Programm startet", sagt Bettina Gayk, Sprecherin des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.

Dass "Street View" unerwünschte Konsequenzen haben kann, zeigt eine beliebte Anekdote aus Großbritannien. Eine Frau entdeckte in "Street View" ihren Mann. Die Straßenbilder zeigten sein Auto, das vor dem Haus der Geliebten parkte. Die Frau reichte die Scheidung ein.

Quelle: RP

 
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