Dormagen (NGZ). Dormagen Eine junge Frau, 20 Jahre alt, mit blitzenden Augen, die kurzen blonden Haare wie die Stacheln eines Igels aufgestellt. Sarah lebt. Und das ist nicht selbstverständlich. Am 18. Januar hat ihr Ex-Freund versucht, sie umzubringen. Zuerst wollte er sie in der Stadtbibliothek, wo sie ein Praktikum absolvierte, bei lebendigem Leib verbrennen, übergoss sie mit Benzin, wollte sie anzünden.
Sie flüchtete - doch er holte sie ein, stach ihr vor der Bücherei ein Messer in den Rücken. Sarah erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Notoperation - sie lag vier Wochen im Krankenhaus. Bis heute geblieben sind eine Brandnarbe am Bein und eine große Narbe im Rücken. „Ich habe Glück gehabt“, sagt sie heute im Gespräch mit der NGZ. Der Brandsatz hätte zünden, das Messer wichtige Organe treffen können.
Wie verkraftet eine junge Frau eine solche Tat des Mannes, den sie einmal geliebt hat? „Außer den Narben ist nichts zurückgeblieben“, sagt sie. Sarah gibt sich locker, will cool wirken. Am Freitag sah sie den Mann, der sie angeblich so sehr liebte und dann versucht hat, sie umzubringen, wieder. Und plötzlich sagt sie unvermittelt: „Ich empfinde nur Hass für ihn.“ Der 36 Jahre alte Ex-Freund habe versucht, sie auszulöschen. „Aber ich lasse mir mein Leben nicht zerstören“, sagt sie trotzig - und dabei blitzen die Augen noch energischer als zuvor.
Geständnis
Bereits am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche hat Sarahs Ex-Freund die Tat komplett gestanden. Er habe sie bei lebendigem Leib verbrennen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Der Prozess vor der Strafkammer am Landgericht Düsseldorf dauert noch weiter an, es werden noch Zeugen und Sachverständige gehört. Ein Urteil wird voraussichtlich für den 17. Oktober erwartet. Den Angeklagten erwartet wegen versuchten Mordes eine langjährige Freiheitsstrafe.
Sie hat die Schule beendet und eine Ausbildung begonnen - als Dachdeckerin. „Ich bin die einzige Frau unter lauter Männern“, sagt sie, und zeigt dabei wieder ein Lächeln, das Stärke zeigt, fast Überlegenheit.
„Er wusste keinen anderen Ausweg“, berichtet Sarah über die Tat. Aber es klingt hart, nicht wie Verständnis oder gar Mitleid. Zu einem Teil sei es verzweifelte Liebe gewesen, so Sarah, „zu 50 Prozent waren es Alkohol und Drogen, die dazu geführt und ihn kaputt gemacht haben“. Alkohol und Drogen hätten wieder und wieder die Beziehung zerstört, so dass sie nach sechs Jahren endgültig Schluss gemacht habe. Sarah: „Ich habe ihn nicht mehr geliebt.“ Ein Schlussakt mit schrecklichen Folgen.
Sarah vermittelt den Eindruck einer stabilen jungen Frau. „Ich habe keine Albträume und schlafe gut“, sagt sie. Im Abstand sehe sie die Tat „lockerer“. Und doch: Hin und wieder hält der Blick nicht stand, wischt sie sich fahrig und nervös über die Stirn - Anzeichen von Unsicherheit? „Nein“, sagt sie „ich lasse mich dadurch nicht unterkriegen.“
Sie geht mit Freunden aus, unternimmt viel, skatet in der Halfpipe, ist viel unterwegs. „Wenn ich Anzeichen von psychischen Schwierigkeiten bemerken würde, würde ich sofort Hilfe suchen.“ Sie findet Halt bei ihrer Familie in Dormagen, bei ihrem Bruder, bei Freunden. Sie alle waren nach der Tat geschockt - zugetraut hatte dem Ex-Freund wohl niemand, dass er seine Drohungen, sie umzubringen, wahrzumachen versucht.
Auch ihre Aussage am Freitag Morgen vor der Strafkammer in Düsseldorf nimmt sie „locker“. Zweieinhalb Stunden stand sie dem Gericht Rede und Antwort. Sie wurde begleitet von ihrer Anwältin Helga Koenemann, die ihre Nebenklage vertritt.
Sarah scheint mit ihrem Leben vor der Tat abgeschlossen zu haben. Einen neuen Freund hat sie noch nicht - „ich warte, dass mir der Richtige über den Weg läuft“. Ob sie allerdings wirklich alles so locker und leicht wegsteckt, mag manch einer, der sie kennenlernt, bezweifeln. Zu wünschen wäre es dieser sympathischen jungen Frau.
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