Dormagen (NGZ). Dormagen Brigitte Pfeiffer hat die Zukunft fest im Blick, und das Zahlenmaterial dafür zur Hand. „Die Dormagener werden im Schnitt immer älter. Schon jetzt ist jeder Vierte über 60 Jahre alt. Die Zahl der über 60-Jährigen hat sich seit 1985 auf 15 360 verdoppelt“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Bis 2015 wird diese Zahl laut Prognosen auf über 17 200 steigen. „Die Zahl der Schüler dagegen wird weiter zurückgehen. Und immer mehr Kindergartenplätze für Kinder ab drei Jahren werden bereits in Betreuungsplätze für unter Dreijährige umgewandelt.“
Der demografische Wandel hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten. „Schon jetzt fordern Studien einerseits, die Menschen zu mehr Kindern zu motivieren, andererseits eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen“, weiß Pfeiffer. „Jetzt werden wieder die Frauen gerufen“, sagt sie leicht verärgert, denn „für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen die Gleichstellungsbeauftragten sich ja seit langem ein, etwa für ausreichende Betreuungsangebote mit flexiblen Öffnungszeiten“.
„Demografischer Wandel - Werte einer geschlechtergerechten Stadt“ heißt auch das - recht sperrig formulierte - Thema der landesweiten Frauen-Aktionswochen 2007. Brigitte Pfeiffer möchte das Thema nicht auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschränkt sehen, sondern den Horizont erweitern. Dafür bittet sie die Dormagener um ihre Anregungen und Ideen zur Frage „Wie sieht bei der derzeit herrschenden Bevölkerungsentwicklung die geschlechtergerechte Stadt der Zukunft aus?“
„Unsere Gesellschaft befindet sich in einem enormen Umbruch. Wir sollten versuchen, den Wandel aktiv zu gestalten, Ideen sind gefragt“, meint sie. Ein Beispiel: „Ich erlebe immer wieder, dass ältere Frauen weniger am gesellschaftliche Leben teilhaben, weil sie es einfach nicht gelernt haben, oder weil sie oft nicht über die finanziellen Mittel verfügen“, so Pfeiffer. „Was wünschen Frauen im Alter?“, fragt sie. „Werden in Dormagen beispielsweise mehr Nachttaxis benötigt, damit alleinstehende Frauen abends ohne Angst ins Kino gehen oder Freunde treffen können?“
Mit ihrer Umfrage will Pfeiffer aber auch Männer ansprechen, „die so gut wie nicht den Weg zu mir als Gleichstellungsbeauftragter finden. In der Gruppe der über 60-Jährigen werden die Männer zahlenmäßig - trotz höherer Lebenserwartung der Frauen - aufholen.“
Die Folgen des Zweiten Weltkrieges machen sich zunehmend weniger in der Statistik bemerkbar. „In der Altersgruppe ab 85 Jahren lebten Ende 2005 593 Frauen und nur 184 Männer, 2015 werden es laut Prognosen 940 Frauen und 470 Männer sein. Welche Wünsche haben Männer für die Zukunft, wünschen sie beispielsweise mehr Begegnungsstätten, wo sie unter sich sein können?“
Brigitte Pfeifer könnte sich mehr altengerechte Angebote im Einzelhandel - etwa bei Handys mit extragroßer tastatur, vorstellen, Eigenheimlösungen, die auch den Bedürfnissen von Menschen im Alter gerecht werden, und generationsübergreifende Angeboten außerhalb der Familie, in denen Ältere ihr Wissen und ihre Zeit etwa der Erziehung einbringen.
Natürlich sind auch zu ganz andere Themen Anregungen und Meinungen gewünscht, etwa: „Warum sind überwiegend Erzieherinnen in Tagesstätten tätig, Wären männliche Erzieher nicht als Vorbilder für Jungen wünschenswert?“, so Pfeiffer.
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