Dormagen (NGZ). Dormagen/Worringen Seit Monaten wird bei Bayer Industry Services (BIS) über die Zukunft der Dienstleistungsbereiche innerhalb des Unternehmens diskutiert. Jetzt hat auch das Petrochemie-Unternehmen Ineos (früher Innovene, BP und EC) das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Das bestätigte Ineos-Sprecher Norbert Hemsing auf Anfrage der NGZ.
Ineos prüfe Einsparmöglichkeiten und die Reduzierung von Fixkosten, so Hemsing. Und weil das Unternehmen im Bereich der Dienstleistungen mehr Sparpotenzial sehe als in der Produktion, ständen alle Tätigkeiten in dieser Sparte auf dem Prüfstand.
„Es sind noch keine Entscheidungen getroffen“, betont Hemsing. Er gehe jedoch davon aus, das allein bei Ineos selbst rund 100 Mitarbeiter betroffen sein werden. „Das bedeutet nicht unbedingt Entlassungen, sondern auch Versetzungen innerhalb des Konzerns, neue Aufgaben, die Auslagerung von Tätigkeiten oder Altersteilzeit“, sagt der Ineos-Sprecher.
Den Einsparungen liege das so genannte „Bottom-of-the-Cycle“ (BOC)-Projekt zugrunde. Es gehe von einem Wirtschaftsrhythmus in der Chemieindustrie von drei bis fünf Jahren aus. Auf der Grundlage der Zahlen von 2005 versuche sich das Unternehmen bereits jetzt für das Jahr 2009 fit zu machen. „Zurzeit steuern wir auf eine gute Konjunkturlage zu, aber wir rechnen 2008/2009 mit der nächsten Talsohle - und auf diese schlechte Phase wollen wir uns in der guten Zeit vorbereiten“, so Hemsing. Auch mit Blick auf den steigenden Wettbewerbsdruck aus dem mittleren Osten sei es wichtig, den Konzern jetzt wettbewerbsfähig zu machen.
Beispielsweise wolle Ineos überprüfen, ob eigene Mitarbeiter Aufgaben des Tordienstes oder des Werkschutzes übernehmen können. „Wir haben einen Rahmenvertrag mit BIS und kaufen jährlich rund 40 000 Dienstleistungsstunden ein“, erklärt der Leiter der Unternehmenskommunikation. BIS setze zum Teil eigene Arbeitskräfte ein, arbeite aber auch mit Subunternehmen. Jetzt werde geprüft, ob es Ineos-Mitarbeiter gebe, die dem Anforderungsprofil für diese Aufgaben gewachsen seien und nach einer Fortbildung die Jobs selbst übernehmen könnten.
„Das wäre eine Form des In-Sourcings, der Wiedereinlagerung von Aufgaben in das Unternehmen, bei der wir den eigenen Mitarbeitern den Vorzug gegenüber Arbeitskräften geben, die wir bislang von außen einkaufen“, so Hemsing. Aber auch die Bereiche Buchhaltung, Personal oder Gebäude-Bewirtschaftung würden durchleuchtet und preislich mit verschiedenen Modellen - etwa Umstrukturierung oder Auslagerung - verglichen. Die Qualität stehe dabei immer im Vordergrund, betont Hemsing. Und auch die Mitarbeitermotivation sei dem Unternehmen wichtig: Im April werde ein neues Mitarbeiterbeteiligungsprogramm vorgestellt, bei dem Angestellte Unternehmensanteile kaufen könnten.
Der Betriebsrat werde das Sparprojekt kritisch begleiten, kündigte der Betriebsratsvorsitzende Siegfried Schulz an. „Es geht dabei um eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl, und deshalb werden wir natürlich sehr genau hinschauen“, so Schulz. Die Mitarbeiter, die neue Aufgaben übernehmen sollten, müssten schließlich an anderer Stelle eingespart werden.
„Die Belastungen unserer Kollegen dürfen nicht noch größer werden“, fordert Schulz. Gerade im Bereich Werkschutz müsse die Situation sehr differenziert betrachtet werden. „Einfachere Arbeiten können sicher auch von unseren Leuten übernommen werden, wenn das Arbeitsplätze bei Ineos sichert, das gilt aber nicht für alle Aufgaben in diesem Bereich“, sagt der Sprecher der Arbeitnehmer. Sicherheit müsse stets höchste Priorität haben. Um zu sparen, sei der Betriebsrat bei Frühruhestands- oder Altersteilzeitmodellen gesprächsbereit. „Wir werden aber keine Einsparungen bei der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter dulden“, so Schulz.
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