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Dormagen: Integration statt Ikebana

VON HEIKO SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010

Dormagen (NGZ). Die Volkshochschule steht wegen ihrer Hobbykurse gerne in der Kritik, wenn es ums Sparen geht. Die VHS ist aber vor allem eine Bildungseinrichtung mit Schwerpunkt Sprachen. Heute erhalten 25 Ausländer ihr Sprachenzertifikat.

Info

Integration verordnet

Die Rot-Grüne Bundesregierung hat am 1. Januar 2005 die Integrationsverordnung erlassen. Zu ihr gehören Integrationskurse für Einwanderer mit einem Sprach- und einem Orientierungskursus, der Rechtsordnung, Kultur und Geschichte vermittelt.

600 der 630 Stunden entfallen allerdings auf die Sprache.

Ob japanische Ikebana-Kunst oder Sushi-Zubereitung zum Angebot der Volkshochschulen gehören müssen, wird gerne gefragt, wenn darüber gestritten wird, wie man für kommunale Einrichtungen weniger Geld ausgeben kann. Claudia Stawicki, Leiterin der Dormagener VHS, verweist in solchen Momenten gerne darauf, dass solche Angebote zu den einträglichsten Kursen gehören und helfen, an der VHS Bildungsarbeit zu leisten.

Zum Beispiel in Form von Sprachkursen, von denen die so genannten Integrationskurse, in denen Ausländer und Aussiedler Deutsch als Fremdsprache lernen, einen besonderen Stellenwert haben. "Die Teilnehmer lernen nicht nur Deutsch, sondern erhalten drei Mal die Woche für jeweils fünf Stunden auch einen ersten regulären Rahmen außerhalb der Privatsphäre – und das ortsnah", erklärt Stefanie Heydenreich, Leiterin des Fachbereichs Sprachen an der VHS in Dormagen. Sie wird heute wieder 25 Ausländern ihr Sprachenzertifikat überreichen, wobei 13 Kursteilnehmer die Niveaustufe "B1" erreicht haben, die Grundlage für eine Einbürgerung. Sie verstehen das Wichtigste im Alltag, können Formalitäten erledigen. "B1 ist das Ziel aller Teilnehmer. Entscheidend ist, dass sich die Leute selbständig bewegen, orientieren und Chancen nutzen können", sagt Heydenreich. Elf Teilnehmer sind mit "A2" eingestuft. Das heißt: Sie können sich an einfachen Unterhaltungen beteiligen. "Sprechen ist das Wichtigste."

Dass allerorten gespart wird, spürt auch Stefanie Heydenreich deutlich. In diesem Fall freilich nicht aufgrund städtischer Sparanstrengungen. Es ist das Bundesamt für Migration, das die Kurse finanziert, schließlich geht es um geforderte und geförderte Integration. Doch Kurse werden inzwischen nicht mehr so schnell zugelassen, wobei sich an der Bedeutung der Sprachkurse innerhalb des VHS-Angebots so schnell nichts ändern wird: Über 3500 Stunden sind an der Dormagener VHS 2009 allein für Deutsch als Fremdsprache aufgewendet worden, 541 Schüler haben im vergangenen Semester 40 Sprachkurse besucht, überwiegend Menschen aus der Türkei, Russland und Polen. Mehr als die Hälfte von ihnen war jünger als 40 Jahre.

Dass sich die Zahl der Deutsch-Unterrichtsstunden zwischen 2005 und 2008 verdoppelt hat, "liegt primär an der neuen Integrationsverordnung", erklärt Stefanie Heydenreich. Seit 2005 gehören Sprachkurse zum Pflichtprogramm für Einwanderer. Insgesamt bildet der Bereich Sprachen mehr als die Hälfte des Gesamtangebots an der VHS, wobei zu den Deutsch-Kursen auch Gebärdensprache und Alphabetisierungskurse zählen.

Info Der nächste Integrationskursus beginnt am 9. September, Infos unter Tel. 02133 257218.

Quelle: NGZ


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