Dormagen (NGZ). Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer – auch in Dormagen hat am Montag der Mini-Tornado einige Schäden angerichtet. Der gebürtige Dormagener Gerd Bierling ist Sturmjäger und hat das Unwetter genau beobachtet.
Als im Mai vergangenen Jahres in Roggendorf ein Tornado seine Schneise zog, verbrachte Gerd Bierling (52) einen gemütlichen Nachmittag in Dormagen. "Ich Depp saß beim Kaffeetrinken", ärgert sich der Pulheimer, der in Delhoven seine Kindheit verbracht hat, noch heute. Während der Normalbürger flieht, sobald eine dunkle Wetterwalze heranzieht, stürzt sich Bierling mitten ins stürmische Chaos.
Der 52-Jährige ist ein so genannter "Chaser", ein Sturmjäger. Für den Wetterdienst "Skywarn" meldet Bierling vor Ort die Art von Unwetter. Ehrenamtlich. "Während die Meteorologen vor farbigen Karten sitzen, sind wir das Auge vor Ort", erklärt der 52-Jährige.
Gerd Bierling
Alter 52
Beruf Chemikant
Kinder 3
Wohnort Pulheim
Geburtsort Dormagen
"Das war ein ,Downburst'"
Als am Montag der Sturm auch über Dormagen zog, stand Bierling in einem Feld bei Stommeln mit Video- und Zeitrafferkamera und sah die schwarze Wand auf sich zukommen. Im letzten Moment zog sich der Wettermann zurück. "Es war nur Staub,l kein Hagel", sagt der 52-Jährige, der das Wort Mini-Tornado nicht gebraucht. "Das war wohl eher ein ,Downburst', ein Fallwind", sagt er.
Die Faszination Unwetter hat ihn seit seiner Kindheit fest im Griff: "Sobald es geblitzt, gedonnert oder gekracht hat, stand ich am Fenster", sagt Bierling, ein quirliger Mann, der seine kindliche Begeisterung auch heute nicht verloren hat.
Bei seinem waghalsigen Job als Wetterbeobachter – hauptberuflich ist Bierling Chemikant bei Ineos – steht die Sicherheit im Mittelpunkt. In der Regel positionieren sich die Sturmjäger am südwestlichen Ende eines Gewitters. Außerdem gucken sich die "Skywarn"-Mitarbeiter einen Fluchtpunkt aus, bevor sie in den Sturm ziehen. Als sich im vergangenen Jahr bei Heinsberg eine so genannte Superzelle bildete, hatte sich Gerd Bierling bereits eine überdachte Tankstelle ausgeguckt.
Für sein Hobby nimmt Gerd Bierling einige Strapazen in Kauf. 12 000 Kilometer legt er jährlich im mittleren Westen der USA zurück auf der Jagd nach Tornados, unterwegs wie ein Nomade, von Sturm zu Sturm, von Motel zu Motel. Das können auch manche Freunde nicht verstehen. "Die lästern: Alle anderen fahren zum Urlaub in die Sonne, und du fährst dem miesen Wetter hinterher." Faustgroße Hagelkörner hat er in den USA gesehen, auch einen Tornado in Oklahoma. Und auch schlimme Bilder von der zerstörten Stadt Greensburg, von der am Ende nicht mehr viel übrig blieb als die Hausnummern am Bordstein. "95 Prozent der Stadt waren zerstört, das war schon sehr bedrückend", sagt Bierling.
Doch dann gibt es auch die Szenen der Geburt eines Gewitters, wenn langsam die Wolken quellen und das Unwetter schließlich in einem Regenbogen endet. "Das", sagt Bierling, "ist einfach faszinierend."
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