Knabenchor Hannover gastierte in Knechtsteden (NGZ). Das Auge hörte mit, als der Knabenchor Hannover unter der Leitung von Jörg Breiding im Rahmen der festlichen Tage alter Musik in Knechtsteden konzertierte. Und natürlich suchte es vor allem zwischen den Allerjüngsten auch nach Zeichen jenseits des schönen Soprans und der Chordisziplin.
Doch die Knaben tauchten ganz ein in die Welt ihrer Musik und begannen mit Schütz "Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen." Die vielen "S"-Laute dieses Titels wogten durch die Stimmen des doppelchörigen Satzes, dass man meinte die ausgestreuten Samenkörner hören zu können. Ebenso plastisch ging am Schluss in hundertfältiger Wiederholung durch die acht Stimmen Frucht auf. Dazwischen wiederholte sich der Ruf. "Wer Ohren hat zu hören, der höre" von mal zu mal eindringlicher. Ein gelungener Auftakt.
Für den 100. Psalm, den Schütz als Wechselgesang für zwei Chöre vertonte, begab sich der zweite Chor an das gegenüberliegende Ende des Mittelgangs. Die durch die Distanz entstehenden Verzögerungen wirkten etwas störend, ließen die Zuhörer aber eindrucksvoll den Weg des Schalls durch den Kirchenraum erfahren. Für dessen Nachhall zeigte der Bass Konstantin Heintel ein feinsinniges Gespür. In der Solokantate "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir" von Gottfried Stölzel wurde er zum flehentlichen Rufer.
Gemeinsam mit dem Barockensemble L'ARCO erfüllte er die Kantate mit religiöser Intensität. So sorgte Jörg Breiding durchweg für Ausgewogenheit zwischen Instrumentalisten und Chor. "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir" heißt auch die Kantate Nr. 131 von Johann Sebastian Bach. Den im Piano etwas luftig klingenden Sopranen fehlte jedoch die Überzeugungskraft.
Auch bei den Echoeffekten hätten sich die Zuhörer vom Chor die leisen Stellen wirklich leise gewünscht. Die Kantate stellt Soloarien parallel zu zwei Chorälen. Konstantin Heintel ging mit der etwas zu unwichtig gesungenen Bassarie gegen den Chor etwas unter, der den Choral in großen Legato-Bögen wunderbar artikulierte. Jörn Lindemann absolvierte seinen Tenorpart tadellos. Zwei Knabensopräne interpretierten in ganz unterschiedlicher Manier zwei Bach-Lieder aus Schemellis Gesangbuch.
Der erste Knabe wirkte mit etwas verhauchter Stimme aufgeregt, der zweite dagegen interpretierte mit reiner Stimme nach allen Regeln der Kunst. Fast mochte man meinen mit zu viel Eifer, doch er dankte dem Publikum schon vor dem Applaus für seinen Auftritt mit einem entwaffnenden Lächeln.
Mit der Bach-Mottete "Lobet den Herrn, alle Heiden" bot der jugendlich wirkende Breiding mit seinem Chor noch einmal ausgesprochenen Klanggenuss, bevor er sich mit einem mit großer Leichtigkeit vorgetragenen "Cantate dominum" von Schütz verabschiedete. Christine Illgner
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