Dormagen (NGZ). Dormagen Die Urkunde schlummert in den Akten des Umweltamtes. „Internationales Klimaschutz-Abkommen“, unterzeichnet im November 1995. Dormagen wollte damals eine Vorreiterrolle im Umweltschutz übernehmen. „Angesichts der massiven Industrie vor Ort ein deutliches Zeichen“, erinnert sich Bürgermeister Heinz Hilgers.
Doch was ist daraus geworden? Mit der Verleihung der Urkunde wurde das vage Versprechen abgegeben, rund 20 Prozent der CO 2-Emissionen in den kommenden Jahren einzusparen. Ob das exakt erreicht wurde, kann niemand so genau sagen - damals gab es noch keine Klimabilanz.
Doch Dormagen erlebte zwischenzeitlich einen Quantensprung in Sachen Klimaschutz. Der Bürgermeister: „Mit dem Bau des neuen Kraftwerks und der Thermischen Abluftverbrennung (TVA) im Chemiepark wurde der CO 2-Ausstoß in Dormagen deutlich reduziert.“ Ein Vergleich: Selbst wenn alle Dormagener auf ihr Auto verzichtet hätten, wären nicht solche Reduzierungen der Emissionen erreicht worden.
Wirtschaftsprogramm
Klimaschutz ist nach Angaben von Wirtschaftsförderin Lidia Wygasch-Bierling immer häufiger Thema in Gesprächen mit heimischen Unternehmen. Die Bemühungen der Stadt in Sachen Umweltschutzwurden dabei von der Wirtschaft positiv aufgenommen. Insbesondere Handwerksbetriebe beteiligen sich an den Beratungsbemühungen von Stadt und Energieversorgung Dormagen.
Doch was machen die Stadt beziehungsweise ihr Energieversorger evd konkret in einer Zeit, in der Klimaschutz als eine der Grundlagen für das Überleben der Menschheit angesehen wird? „Dormagen ist in der Region führend bei der Nutzung regenerativer Energien“, sagt Anne Grzondziel vom Umweltamt.
Zum Beispiel bei den Sonnenkollektoren zur Aufbereitung von warmem Wasser. Bereits 1995 wurden die ersten Anlagen auf Dormagener Dächern in Betrieb genommen. Heute bereiten 620 Sonnenkollektoren mit 4060 Quadratmetern warmes Wasser auf. Wichtig ist für das Umweltteam: „Es beteiligen sich viele einzelne Bürger daran.“
Auch bei den Photovoltaikanlagen, in denen Strom gewonnen wird, kann Dormagen einen Spitzenwert aufweisen: 85 Anlagen auf den Dächern produzieren 607 Kilowattstunden installierter Leistung. Grzondziel: „Damit können rund 200 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden.“
Die meisten der Anlagen stehen auf Privat-Gebäuden. Engagiert dabei ist auch die Landwirtschaft mit großen Anlagen auf dem Hubertushof, dem Wittgeshof und in Gohr. Auf dem Dach der städtischen Theodor-Angerhausen-Grundschule in der Innenstadt wird in der kommenden Woche die zweite Bürger-Solaranlage installiert. Zwölf Bürger haben sich zusammengeschlossen, die dort Energie gewinnen, so wie einige Jahre zuvor bereits auf dem Hubertushof.
Früher hat die Stadt selbst Sonnenkollektoren gefördert, heute hat das die evd Energieversorgung Dormagen - zu 51 Prozent in städtische Hand - übernommen. 500 Euro pauschal gibt es für Kollektoren-Anlagen zur Warmwasserbereitung, 1050 Euro für gekoppelte Warmwasser- und Stromerzeugungsanlagen. Die Nachfrage ist hoch.
Anna Grzondziel nennt im Bereich Klimaschutz auch die Biogas-Anlagen, die die Landwirte Heuser in Stürzelberg und Lemper in Straberg betreiben oder bauen.
„Das Wichtigste aber ist, dass die Stadt und die Bürger in ihrem eigenen Umfeld tätig sind“, sagt die Umweltberaterin. Die Stadt und ihre Gesellschaften Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und Technische Betriebe haben umfangreiche Programme für die öffentlichen Gebäude, insbesondere die Schulen, aufgelegt.
„Allein durch neue Fenster, moderne Heizungsanlagen und Wärmedämmungen kann jede Menge Energie eingespart werden“, so Grzondziel. Und das sei der beste und einfachste Weg, den CO 2-Ausstoß auf örtlicher Ebene zu minimieren.
In diese Richtung zielt auch die vielfältige Beratung der Bürger vom regelmäßigen Solar-Stammtisch bis zu Tipps für Hausbau oder -renovierung oder individuellen Infos von Grzondziel. „Das Interesse der Bürger an Verbesserungen ist riesig.“
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