Dormagen (NGZO). Interview mit Markus Beckedahl, Betreiber und Blogger von netzpolitik.org
Herr Beckedahl, pflegen Politik und Web eine schwierige Beziehung?
Beckedahl Immer mehr Politiker entdecken die Möglichkeiten politischer Kommunikation im Web. Aber viele fremdeln noch.
Woran liegt das?
Beckedahl Durch unsere Gesellschaft läuft eine deutliche digitale Spaltung zwischen Jung und Alt, was Kenntnisse und Kompetenzen im Umgang mit dem Internet betrifft. Schauen Sie sich das Alter der meisten Politiker an: Die Mehrheit ist mit dem traditionellen Mediensystem aufgewachsen und kommuniziert immer noch von oben nach unten statt direkte Beziehungen zum Wähler aufzunehmen.
Außerhalb des Internets ist das aber doch ein altbewährtes Mittel für die Politik.
Beckedahl Richtig. Politker machen ja auch Wahlkampf in Fußgängerzonen oder Bierzelten und betreiben dafür riesigen Aufwand. Den kann man im Web trotz des direkten Kontakts deutlich reduzieren.
Welche Chancen bieten Internet und Web 2.0 Politikern sonst noch?
Beckedahl Es gibt Politiker, die fassen Kommunikation im Internet, etwa über Twitter, immer noch als Erlebnisaufsatz auf. Andere aber sehen die Chance, als Knotenpunkt in einem Netzwerk zu fungieren.
Ist das für Lokalpolitiker interessant?
Beckedahl Unbedingt. Nehmen Sie eine kleine Oppositionspartei, die in den Medien wenig vorkommt. Sie kann so sehr präsent sein, direkt Kontakt zu Unterstützern aufbauen – das ist gerade in Zeiten fehlenden Nachwuchses wichtig. Ein Lokalpolitiker kann auch einen Blog führen, in dem über Anträge oder Slogans diskutiert wird.
Wird diese Form der Kommunikation an Bedeutung gewinnen?
Beckedahl Im Internet entstehen die Öffentlichkeiten der Zukunft. Wer junge Wähler erreichen will, kommt schon heute nicht mehr ums Netz herum.
Heiko Schmitz führte das Gespräch.
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