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Dormagen: Kreuze mahnen den Frieden an

zuletzt aktualisiert: 19.11.2006 - 21:30

Dormagen (NGZ). Dormagen (Sto) Die Generation der Zeitzeugen stirbt aus. Doch auch den Männern und Frauen, die in ihrer Jugend die erste Nachkriegszeit als Kinder erlebt haben, ist der Schrecken des Krieges Erinnerung, sind formende und bleibende Bilder der Zeit im Kopf geblieben. So auch bei Hans Scholten, Jahrgang 1950, Leiter des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen.

Er schildert zur Gedenkfeier am Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof, wie er in den Trümmerfeldern oder den Beton-Höckern des Westwalls in Saarbrücken gespielt hat. Menschen mit Kriegsverletzungen, trauernde Hinterbliebene der Gefallenen, Verschollenen, die Arbeit bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge auf den französischen Soldatenfriedhöfen des Ersten und Zweiten Weltkrieges prägen ihn.

 Das Erleben des Jugendlichen gipfelt in dem Satz: „Ich kann keine Kreuze mehr sehen.“ Ein Satz der für Hans Scholten im Nachhinein wie eine Befreiung zur Friedensarbeit wird, zum Neubeginn, aus der Erinnerung, aus den Ehrenfriedhöfen die Kraft für das aktive Mitwirken am 61 Jahre währenden Friedensprozess zu schaffen.

Ein trügerischer Frieden - Zerreißproben und Auseinandersetzungen wie der Ungarnaufstand 1956, der Bau der Berliner Mauer 1961, Kuba-Krise, der russische Einmarsch in Prag 1968 und das Ende des Prager Frühlings, der Vietnam-Krieg - werden angesichts atomarer Aufrüstung eine Bedrohung jedes einzelnen auch in Deutschland. Hans Scholten berichtet sehr persönlich darüber. Der Nahe Osten, der Balkan-Krieg in den 90er Jahren - der Krieg rückt näher bis in die Feriengebiete der Familie. Krieg und Gewaltherrschaft werden bei Besuchen in Israel und in Kroatien zum persönlichen Erlebnis. Irak, Nahost - Krieg ist auch heute aktuelle Bedrohung.

Vor allem der „Krieg“ im Inneren, die zunehmende Präsenz von gewaltbereiten Rechtsradikalen, beunruhigt ihn. Der Vater eines engen Freundes in Israel, der Verleger Shlomo Lewin, dessen halbe Familie in den Konzentrationslagern wie Auschwitz umgekommen war, wurde 1982 in Erlangen brutal von der „Wehrsportgruppe Hofmann“ ermordet, so Scholten. Seitdem trägt er Kreuz und Davidstern an einer Kette um den Hals. Er sieht den inneren Frieden gefährdet, wenn Neo-Nazis weiteren Zulauf, insbesondere von jungen Menschen, erhalten.

Scholten versprach, dass Jungen und Mädchen des Raphaelshauses künftig für die Sauberkeit der Stolpersteine in der Innenstadt und in Zons, die an ermordete und vertriebe Juden aus Dormagen erinnern, sorgen werden - ein kleines Zeichen.

Eine starke, ergreifende Rede, bevor Schützen, Feuerwehr und Reservisten zu den Klängen des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Kränze an den Ehrenmalen für die Opfer der beiden Weltkriege niederlegten. Ein kurzes Gedenken an dem Grabmal für die Zwangsarbeiter in Dormagen schloss sich an. Stellvertretender Bürgermeister Gerhard Woitzik hatte die wenigen Gäste zu der Gedenkfeier begrüßt.

Quelle: NGZ


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