Dormagen (NGZO). Für 1,2 Millionen Euro entstehen am Bahnhof in Nievenheim 122 neue Stellplätze für Autos und 147 für Radfahrer. Das Ziel: Die S-Bahn soll als Verkehrsmittel für die Bürger aus der Umgebung eine echte Alternative werden.
Nievenheim Pendler sind genervt, Anwohner beklagen sich, und das seit Jahren: Wer am S-Bahnhof in Nievenheim einen Parkplatz für sein Auto oder sein Fahrrad sucht, um auf die Bahn umzusteigen, braucht Geduld und Gelassenheit: Denn der Schotter-Parkplatz auf Nievenheimer Seite ist bereits morgens oft vollkommen zugeparkt, auf Delrather Seite gibt es gar keine regulären Parkmöglichkeiten. Radfahrer haben es nicht viel besser: Heute ketten viele ihre Räder am Geländer fest und verstopfen damit die Durchgänge zu den Gleisen. Das soll sich ändern: Für insgesamt 1,2 Millionen Euro entstehen auf beiden Seiten des Bahnhofs 122 neue Auto- und 147 neue Radstellplätze. Seit wenigen Tagen besteht offiziell das Planungsrecht, spätestens Anfang des nächsten Jahres sollen die Bagger anrücken.
Viele Pendler würden heute den längeren Anfahrtsweg bis Dormagen in Kauf nehmen, weil die Parkplatzsituation so schlecht sei, sagt Bahnfahrerin Katrin Saske aus Nievenheim. Sie hält den geplanten P&R-Parkplatz deshalb für eine "sehr sinnvolle Sache". Auch Gabriele Vetten hält einen neuen Parkplatz für überfällig: "Die Lage hier ist katastrophal", sagt sie. "Es sind viel zu wenig Stellplätze da, so dass viele an der Straße parken und so den Anwohnern den Platz wegnehmen." Dabei habe der Haltepunkt in Nievenheim durchaus Vorteile, meint Gerfried Wute. Er ist aus Delhoven bis nach Nievenheim angereist, weil "ältere Menschen mit viel Gepäck" dort einfacher den Bahnsteig erreichen können. Wenn sich an dieser Stelle die Parkplatzsituation verbessert, ist er sicher, dass viele Reisende in Zukunft in Nievenheim einsteigen werden. Bahnfahrer Reinhard Adler gibt zu bedenken, "dass eine gute Möglichkeit geschaffen werden muss, um vom Parkplatz auf die andere Seite der Gleise zu kommen", so der Nievenheimer. Sonst bestehe aus seiner Sicht die Gefahr, dass viele über die Gleise laufen würden.
Finanzierung
Die Stadt hatte die Grundstücke rund um den Bahnhof in Nievenheim von der Bahn-Entwicklungsgesellschaft (BEG) im Paket mit den Flächen rund um den Dormagener Bahnhof gekauft. Der Platz dort wird ebenfalls komplett erneuert (die NGZ berichtete). Zu den Grunderwerbskosten von rund 100 000 Euro kommen Baukosten von gut 900 000 Euro. "Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat Zuschüsse in Höhe von 746000 Euro in Aussicht gestellt", sagt Gottfried Koch. Mit dieser Zusage sei sicher, dass der Park&Ride-Platz auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Stadtkasse verwirklicht werde.
Konkret geplant sind 68 neue Autoparkplätze auf der Westseite und 71 überdachte Plätze für Radfahrer. Auf der Ostseite sollen 54 Parkplätze auf dem Areal entstehen, das heute von Kleingärtnern genutzt wird. 64 weitere sind für Räder geplant. Hinzu kommen zwölf Fahrradboxen. "Damit verbessern wir gerade für Berufspendler rund um Nievenheim die Situation deutlich und schaffen einen Anreiz, vom Auto auf die Bahn umzusteigen", sagt Gottfried Koch, Leiter der Technischen Betriebe Dormagen (TBD).
Der Zeitplan: Mit den Kleingärtnern hätten die Technischen Betriebe vereinbart, dass sie in diesem Jahr noch in Ruhe Obst und Gemüse ernten könnten, betont Koch. Er gehe davon aus, dass dieses Areal innerhalb der nächsten beiden Wochen geräumt werde. Gleichzeitig warte er darauf, dass die Bahn eine Kommunikationsleitung verlege. "Wenn das erledigt ist, können wir je nach Witterungslage, eigentlich loslegen", sagt Koch. Bis zum Ende des kommenden Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
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