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Dormagen: Likör soll Klosterkasse füllen

VON CHRIS STOFFELS - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010 - 10:50

Dormagen (NGZ). Von den ökonomischen Plänen des Klosters Knechtsteden ist kaum etwas übrig geblieben. Schule, Optiker, Galerie-Werkstatt finanzieren das Kloster. Jetzt könnte ein neuer Likör getestet werden.

Das Kloster Knechtsteden.  Foto:  Frei
Das Kloster Knechtsteden. Foto: Frei

Pater Hermann-Josef Reetz (67) kann es nicht lassen. Am Wochenende kredenzte er bei einem Jubiläum seinen Mitbrüdern und der Festgesellschaft einen geheimnisumwitterten Likör. Das neueste Knechtstedener Produkt?

"Wir vermarkten das Kloster"

Vor zwei Jahren hatte der Pater eine für den Orden revolutionäre Idee. "Wir gründen eine GmbH und vermarkten das Kloster." Doch seine Vision scheiterte: "Den Mitbrüdern ging das zu weit", bekennt Reetz heute. Und er fügt leise an: "Vielleicht haben sie ja recht." Und so führt das Spiritaner-Kloster weiterhin ein kommerzielles Schattendasein. Der Klosterladen mit Bücher-, Marmeladen- und Honigverkauf steht eher im Hintergrund. Und auch die Führungen, Bibliotheksabende und ähnliche Veranstaltungen tragen kaum zum Erhalt des Klosters bei. Reetz: "Kultur ist ein Zuschussgeschäft, das bekommen auch wir zu spüren. "

Die ökonomischen Pläne des Ordens-Managers Reetz hätten das Gefüge der Spiritaner kräftig durcheinander gebracht. "Das hätte eine Öffnung des Klosters für ökonomische Interessen bedeutet." Pater Norbert Merkel: "Wir sind zwar keine Mönche, doch manchen ging das zu weit." Klostermarkt, ein gut vermarkteter Handel – "das hätte zu viel Unruhe in das Kloster gebracht", sagt Merkel, Wenn Vermarktung, dann hätte das laut Reetz in großem Stil und mit viel Geld in Köln, Düsseldorf, Möchengladbach erfolgen sollen.

Doch wovon lebt das Kloster mit seinen 23 Bewohnern, sieben Brüdern und 16 Patres? "Unsere Haupteinnahmen sind die Mieten", sagt Pater Reetz, der mit 67 Jahren noch zu den jüngeren im Kloster zählt. Der Spiritaner-Orden kassiert für die Klostergebäude. Zum Beispiel für die Altbauten des Norbert-Gymnasiums, für das Gebäude der Fachhochschule der Augenoptiker im ehemaligen Altenheim, gegenüber der Pforte, für die Biologische Station des Rhein-Kreises Neuss, für die Galerie-Werkstatt Bayer Dormagen, von der PensionKnechtsteden oder vom Internationalen Bund für sein Sozialzentrum. Reetz: "Der Klosterladen und andere Marktmöglichkeiten sind nur Beiwerk."

Aktiv in die Ökonomie eingreifen können die meisten Ordensmitglieder auf Grund ihres Alters nicht mehr. Doch so ganz hat sich Pater Reetz von seinem Traum der Kloster-Vermarktung doch noch nicht verabschiedet: "Der Likör könnte ein Renner werden", sinniert er – und träumt scheinbar doch noch von einer großen Vermarktung in der Region.

Die Premiere am Wochenende soll jedenfalls ein großer Erfolg gewesen sein. Noch hütet das Knechtstedener Urgestein Hermann-Josef Reetz – er ging schon im damaligen Heilig-Geist-Gymnasium zur Schule – den Likör als sein Geheimnis. Selbst die Basis wird nicht verraten.

Nur so viel deutet er an: "Knechtsteden hat wunderbare alte Apfel- und Birnbäume." Man darf auf die Zeit nach der Ernte gespannt sein.

Quelle: NGZ

 
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