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Noch kein Vorsitzender für Stadtmarketing-Verein: Massive Unzufriedenheit der Einzelhändler

zuletzt aktualisiert: 19.03.2002 - 21:56

Noch kein Vorsitzender für Stadtmarketing-Verein (NGZ). Von Chris Stoffels

Die Dormagener Einzelhändler sind tief verunsichert und massiv unzufrieden. Sie fordern mehr Unterstützung der Stadt und der Immobilien-Eigentümern in wirtschaftlich schwieriger Zeit. So stellt sich die aktuelle Situation der Dormagener City in dem hochkarätig besetzten Forum der CDU zur Innenstadt dar. Die Konsequenz: Es besteht ein hoher Kommunikationsbedarf.

Das Grundstück Alte Post am Beginn der südlichen Kölner Straße ist den Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Auf den Haupteinkaufsstraßen herrscht Unruhe. Viele Wechsel stehen an und Schließungen bevor: In das frühere Plus-Geschäft zieht Elektro Schürmann, in das alte Kino eine Pizzeria, "Classic and more" an der Marktstraße schließt, das weitere Schicksal der Läden von "Er und Sie", des Handyladens und von Teckenbrock nach dem Umzug ist ungewiss.

Die Dormagener Innenstadt am Scheideweg. "Die Einzelhändler müssen massive Kaufkraftabflüsse hinnehmen", beklagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Stadt Dormagen (WSD), Karl-Heinz Bajahr. Seit einigen Jahren in Folge gehen die Umsätze zurück, schildert anschaulich auch Hans-Dieter Lehnhoff vom Ring-Center.

Seine These: Die Rathaus-Galerie hat Kundschaft aus den übrigen Geschäften abgezogen. Er muss sich aber vorhalten lassen, dass gerade die Rathaus-Galerie einen zusätzlichen Anziehungspunkt für die City geschaffen hat: "Ohne die Galerie wäre der durch die wirtschaftliche Flaute bedingte Rückgang der Geschäfte weitaus dramatischer ausgefallen." Der Einbruch bei den Einzelhändlern ist nicht nur hausgemacht: "Viele Menschen haben weniger Geld in der Tasche", stellt auch Bundestagsabgeordneter Hermann Gröhe fest. Ursachen dafür sieht er in der überfälligen Steuerreform, die dem Bürger Geld vorenthalte und den Mittelstand schwer belaste.

Bajahr sucht einen Teil der Verantwortung für die Einzelhandelsschwäche bei der Stadt: "Die Rahmenbedingungen stimmen nicht, es muss mehr getan werden." Lehnhoff: "Mit jedem Nahversorger in den Stadtteilen geht Kundschaft für die City verloren." Die Forderungen der Einzelhändler: ein neues Konzept. Das ist laut Planungsdezernent Hans-Dieter Schwarz und CDU-Fraktionsvorsitzendem Wiljo Wimmer, der die Diskussion leitet, in der Endphase der Bearbeitung. Doch Wunder seien davon nicht zu erwarten: "Wir haben bereits für Dormagen eine klare Konzeption, wo Handel und Gewerbe zulässig sind."

Und er machte eines klar: "Einfluss auf das Sortiment können wir nicht nehmen." Die Stadt habe sich vor Jahren bewusst für die City entlang der Kölner Straße entschieden, "obwohl dort nicht der geographische Mittelpunkt der Stadt ist". Damals sei als Alternative eine neue City am Bahnhof überlegt worden. Für die "Kö" seien dann gute Bedingungen für die Entwicklung geschaffen worden: Fußgängerzone, ausreichend Parkplätze und -häuser und zentrale Busverbindungen.

Dennoch ist laut Schwarz nicht zu verkennen: "Von Stürzelberg aus fahren die Menschen nur fünf Minuten länger nach Düsseldorf als in die Dormagener Innenstadt." Die Gesamtsicht fordert Top-West-Sprecher Reimund Spreitzer: "Wenn ein Händler in der City nicht ankommt, ist es doch besser, er geht ins Top-West und bleibt in Dormagen statt abzuwandern."

WSD-Frau Andrea Lemke beklagt das schlechte Image der Stadt, fordert weitere positiven Initiativen. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Karl Kress und Kreis-Wirtschaftsförderer, Jürgen Steinmetz, relativierten jedoch solche Äußerungen. Kress weist auf die großen Veranstaltungen in der City hin, Steinmetz darauf, dass nur wenige Städte in Sachen Marketing so weit sind wie Dormagen.

Stadtmarketing ist dann auch das Stichwort für Lösungsansätze: Der geplante Stadtmarketing-Verein ist als Forum erwünscht, das Einzelhändler, Verwaltung, Politik und Immobilien-Eigentümer an einen Tisch holen könnte. Die Satzung liegt fertig in der Schublade, als Geschäftsführer ist Guido Schenk im Gespräch - doch trotz aller Bemühungen ist noch kein Vorsitzender gefunden. Bürgermeister Reinhard Hauschild will in diesen Tagen weitere Gespräche führen.

Quelle: NGZ


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