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Zons: Mittelalter und Moderne

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 03.10.2011

Dormagen (NGZ). Wer in Zons wohnt, lebt in und mit der Vergangenheit. Die Zollfeste atmet jahrhundertelange Geschichte. Eine moderne Infrastruktur ergänzt die mittelalterliche Atmosphäre und macht Zons zu einem Ortsteil mit Flair.

Stippvisite mit dem Stadtgründer (v. l.): Ben, Andreas, Joyce und Katja Chemnitzer vor der Statue von Friedrich von Saarwerden.  Foto:  Hans Jazyk
Stippvisite mit dem Stadtgründer (v. l.): Ben, Andreas, Joyce und Katja Chemnitzer vor der Statue von Friedrich von Saarwerden. Foto: Hans Jazyk

Die Haustür der Chemnitzers ist eine Zeitschleuse. Sie führt aus der wohnlichen Gegenwart einer Familie, in der eine Mondrakete aus Pappe von der Decke baumelt und Deko-Kürbisse auf dem Sims stehen, auf die Schloßstraße in Zons –und damit ins Mittelalter: die alte Mühle, Juddeturm oder die etwas knurrig dreinblickende Bronzestatue des Stadtgründers Friedrich von Saarwerden vor dem Rheintor sind nur einen Steinwurf entfernt. "Eine Atmosphäre wie hier gibt's sonst nirgendwo", sagt Andreas Chemnitzer (39), der mit seiner Familie am Küchentisch sitzt: Gattin Katja (31), Tochter Joyce (7) und Sohn Ben (3).

Ein Wahrzeichen der Zollfeste: die Zonser Mühle. Foto: Hans Jazyk

Die Familie wohnt im sogenannten Ahrens-Haus, früher war ein Tante-Emma-Laden in den Räumen untergebracht. Ur-Zonser sind die Chemnitzers aber nicht. Andreas Chemnitzer ist in St. Peter aufgewachsen, Katja kommt ursprünglich aus Stürzelberg. Kennengelernt hat sich das Paar ganz klassisch: in der Teestube der evangelischen Kirche an der Lessingstraße. "Einige meiner Schulfreunde waren außerdem Zonser", sagt Andreas Chemnitzer – und so zog es ihn mit seiner Familie hinter die alten Gemäuer.

Für die Chemnitzers der vielleicht dickste Pluspunkt: "Der Rhein ist direkt vor der Tür." Da sind sich vor allem Ben und Joyce sicher. Im Sommer lädt der Strom zur Erfrischung ein, im Winter wird der Deich als Rodelberg genutzt.

Für Andreas Chemnitzer ist es insbesondere der Zusammenhalt im Schützenverein, der ihn an Zons bindet. Als Oberst der St. Hubertus Schützengesellschaft Zons und Tellschütze liegen die Geschicke der Brauchtumshüter mit in seiner Hand; seit sechs Jahren gehört er dem Vorstand an. Der Gänsehautmoment im Jahr ist für Andreas Chemnitzer der Zapfenstreich am Schweinebrunnen, wenn der Schein der Fackeln die alte Zollfeste abends in ein warmes Licht taucht, wenn 380 Schützen sich zwischen den alten Mauern versammeln.

Doch hat die Zollfeste für den 39-Jährigen zwei Gesichter: Zons kann ein Ort des Rückzugs sein, der kontemplativen Stille, die den Besucher wochentags umfängt, als wäre er in einer Geschichte von Hermann Hesse gelandet. Die trubelige Seite von Zons zeigt sich an Wochenenden, wenn Reisebusse und Schiffe lautstark parlierende Touristen in die Gassen gießen.

Langweilig wird den Chemnitzers in Zons jedenfalls nicht. Ob Matthäusmarkt, die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne oder der Tanz in den Mai – für Abwechslung ist gesorgt. Joyce' Lieblingsplatz liegt außerhalb des Stadtkerns. Das Vogelnest, eine Schaukel auf dem Spielplatz im Märchenviertel, hat es ihr angetan. Mit der Infrastruktur jedenfalls ist die Familie zufrieden: "Ben ist Teil der Mäusegruppe der U3-Kita an der Lessingstraße; Joyce besucht die Friedrich-von Saarwerden-Grundschule. Auch das kulinarische Angebot ist reichhaltig: Ob "Stern" oder "Zum Feldherrn" – das Essen sei super.

Um zur Arbeit zu kommen, müssen die Chemnitzers dagegen die Zollfeste verlassen: Katja Chemnitzer arbeitet als Zahnarzthelferin in Stürzelberg, ihr Mann betreibt ein Speditionsunternehmen. Umziehen möchte er nicht mehr: "Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, woanders zu wohnen."

Quelle: NGZ


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