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Dormagen: "Nicht schon wieder Gohr!"

VON PETRA SCHIFFER - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009 - 21:34

Dormagen (NGZO). Neben der Deponie in Gohr soll auf einer Fläche von rund neun Hektar eine neue Kiesgrube entstehen. Der Abgrabungsantrag liegt jetzt bei der Stadt vor. CDU und SPD protestieren heftig.

Ein Bagger verfüllt die Kiesgrube des Unternehmens Kamps neben der Deponie in Gohr. Direkt nebenan soll eine neue Abgrabungsfläche erschlossen werden. Im Regionalplan ist dieses Areal für die Kiesabbau vorgesehen.   Foto:  M. Reuter
Ein Bagger verfüllt die Kiesgrube des Unternehmens Kamps neben der Deponie in Gohr. Direkt nebenan soll eine neue Abgrabungsfläche erschlossen werden. Im Regionalplan ist dieses Areal für die Kiesabbau vorgesehen. Foto: M. Reuter

Gohr "Es reicht!" Auf diese kurze Formel bringt der Gohrer CDU-Ratsherr Peter-Josef Braun seinen Unmut. Der Grund: Das Unternehmen Kamps GmbH für Sand-Kies-Erdarbeiten hat bei der Dormagener Stadtverwaltung einen Abgrabungsantrag gestellt. Neben der Deponie und der Grube, die bereits wieder verfüllt wird, soll Kies auf einer neuen Fläche von rund neun Hektar gewonnen werden. "Für die Gohrer wird das zusätzlich zu allen bestehenden Problemen mit wieder neuen Belastungen verbunden sein – und damit muss endlich mal Schluss sein", so Braun. Der Gohrer SPD-Ortsvereinschef Guido Cottin sieht das ähnlich: "So, wie wir behandelt werden, fühlen wir uns wie das Dorf hinter dem Wald."

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Kies als Rohstoff

Anders als die Kiesgewinnung am Straberger See wird der Stoff in Gohr durch eine Trockenabgrabung gewonnen. Eingesetzt wird dieser Baustoff vor allem Dingen als Frostschutzschicht im Straßenbau.

Die Grundlage für den Kiesabbau schafft der Regionalplan, der im vergangenen Jahr geändert worden war. "Ursprünglich war in diesem Papier vorgesehen, dass neben der Fläche in Gohr auch ein Areal westlich der A 57 und eine Fläche zwischen Rheinfeld und Zons ausgewiesen wird", erklärt Susanne LoCicero-Marenberg, Leiterin des Fachbereichs. "Damit wären weite Teile des Stadtgebiets betroffen gewesen." Deshalb protestierte die Stadt in Düsseldorf – größtenteils mit Erfolg. Die Flächen an der Autobahn und bei Zons wurden aus dem Kiesvorratsplan gestrichen. Doch das Gelände in Gohr blieb erhalten. "Eine solche Fläche ist für keine Stadt an keiner Stelle wünschenswert, aber in diesem Fall war es das kleinste Übel von allen", so LoCicero-Marenberg.

Diese Begründung will Braun nicht mehr hören. "Das kleinste Übel ist immer Gohr", kritisiert er. Auch bei der Konzentrationsfläche für Windräder sei die Entscheidung für den kleinen Ort gefallen, der mit der Deponie und steigendem Grundwasser schon genug Probleme habe. Probleme, die sich bemerkbar machten, meint auch Cottin. "Die Grundschule konnte nur durch eine Dependance-Lösung erhalten bleiben, jetzt schließt auch noch der Schreibwarenladen: In Gohr bricht immer mehr die Infrastruktur weg, weil die Belastungen zu groß werden", so der SPD-Ortsvereinschef. – Konkret befürchten die beiden Politiker neben Staubentwicklung vor allem, dass der Schwerlastverkehr im Ort deutlich zunehmen wird. Eine Sorge, die Norbert Kamps, Geschäftsführer des Kiesabbau-Unternehmens, nicht teilen kann. "Dort wird ja bereits jetzt eine Grube verfüllt, und die selben Lastwagen, die heute Material anliefern, fahren dann eben mit Kies beladen wieder zurück, dort entsteht nicht wesentlich mehr Verkehr", sagt er. Außerdem würden die Lastwagen ja direkt über die B 477 Gohr verlassen und nicht quer durch den Ort fahren. Für sein Unternehmen mit 40 Beschäftigten sei die neue Kiesgrube eine wichtige Zukunftsperspektive. Und vor diesem Hintergrund sehe er auch den jetzt gestellten Abgrabungsantrag. "Das wird da nicht in drei Wochen losgehen, aber wir wollen für die Zeit gut aufgestellt sein, wenn die Konjunktur wieder anzieht", so Kamps.

Die Mitglieder des Planungsausschusses hatten das Thema jetzt zunächst vertagt, auch um die neuen Ratsmitglieder nicht mit einer Entscheidung zu binden. Diese Taktik ist jedoch endlich. "Wir können sicherlich etwas Zeit gewinnen, aber wenn die Fläche im Regionalplan ausgewiesen ist, haben wir langfristig keine Möglichkeit, die Abgrabung zu verhindern", sagt LoCicero-Marenberg. Das will Braun noch nicht so stehen lassen. "Ich habe Akteneinsicht verlangt und will erst einmal einen Überblick bekommen, ob nicht nicht doch etwas zu machen ist", sagt er.

Quelle: RP

 
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