Dormagen (NGZO). Es ist ein großes Projekt, das die evangelische Christuskirchengemeinde stemmen will: Die 1964 gebaute Orgel muss umfassend saniert werden. Angedacht ist ein Teilneubau. Geschätzte Kosten: rund 350 000 Euro.
Sie gilt als Königin der Instrumente, in der Christuskirche ist ihr Auftritt gleichwohl eher bescheiden. "Sie klingt wie aus der Abstellkammer!" – Ein Bonmot, das Hermann Max als damaliger Kantor schon Mitte der achtziger Jahre prägte.
Um die Orgel der Christuskirche ist's nicht gut bestellt. "Sie steht völlig deplatziert", sagt Christian Stähr. Der 34-Jährige ist seit Mai 2006 Kantor und Organist in Dormagen und setzt auf die Kraft der Erneuerung. Ziel soll es sein, der Orgel im Gemeindeleben künftig jenen Raum zu geben, in dem sich ihre Klangpracht und Schönheit endlich richtig entfalten kann.
Mängelliste im Internet
"Die Qualität des Instruments ist, selbst gemessen am Durchschnitt der 60er Jahre, unterdurchschnittlich, gemessen an den schon damaligen Möglichkeiten problematisch", heißt es auf der Internetseite zur Evangelischen Kirchenmusik Dormagen, www.reihe8.de, unter der Rubrik "Orgel". Dort ist auch eine lange Mängelliste aufgeführt, die deutlich macht, dass Handlungsbedarf besteht.
Das Projekt steht in den Startlöchern, das Presbyterium hat inzwischen die Weichen gestellt, ein Ausschuss mit eigener Satzung, der als eine Art "Orgelbauverein" fungieren könnte, ist in Planung. Der Zeitrahmen ist eng: "Unsere Kirche feiert 2012 ihr fünfzigjähriges Bestehen", sagt Stähr. Möglichst bis dahin sollen die positiven Veränderungen sicht- und hörbar sein. "Die Idee ist ein Teilneubau mit entsprechenden Ergänzungen."
Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die in den 1960er Jahren auf der Empore errichtete Orgel so, wie sie sich derzeit noch präsentiert, nicht wirklich zu verbessern ist. "Sie steht an der kalten Außenwand", verweist Stähr auf thermische Probleme. "Zudem ist die Orgel in sich zu beengt angelegt." Sie steht leicht versetzt zum Kirchenschiff – mit den damit verbundenen Nachteilen was den Schall betrifft, der in Richtung Fenster und Wand abgeht. Als Organist wiederum, so Stähr, fühle man sich auf der Empore zu sehr von der Gemeinde entrückt – auch dies ein Teilaspekt, der bei künftigen Änderungen zu berücksichtigen sein wird.
Als das Instrument 1964 von der Kölner Orgelbaufirma Willi Peter gebaut wurde, standen die Zeichen auf Fortschritt. "Man hat gemeint, man müsse das Rad neu erfinden", urteilt Stähr, der seit 2009 landeskirchlicher Orgelsachverständiger ist, aus heutiger Sicht kritisch. Er spricht von "unglücklichen Materialien" wie Aluminium und Kunststoff statt Holz, die damals Verwendung fanden. Bei dem, was nun vorgesehen sei, gelte es hingegen, sich überlieferter Mittel zu bedienen, was nicht zuletzt die Langlebigkeit begünstige, so der Christuskirchen-Kantor.
Es soll also ein Teilneubau sein. "Ein Neubau wäre unbezahlbar." Eine technische Sanierung des jetzigen Instruments würde mit rund 150 000 Euro zu Buche schlagen. "Wirklich gut würde es dadurch nicht." Deshalb hat man sich unter Einbeziehung noch tauglicher Elemente für den Mittelweg entschieden, für den grob geschätzt insgesamt rund 350 000 Euro aufgebracht werden müssen, wobei laut Christian Stähr ein solider finanzieller Grundstock bereits vorhanden ist.
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