Dormagen (NGZ). Das Mainzer Institut für Kinder- und Jugendhilfe hat die Otmar-Alt-Gruppe, in der sexuell übergriffige Jungen behandelt werden, ausgezeichnet. Nach nur zwei Jahren können die Kinder in andere Gruppen wechseln.
Sexuell übergriffige Jungen in der Jugendhilfe – kann das gut gehen? "Ja", sagt ganz klar Hans Scholten, Direktor des Dormagener Jugendhilfezentrums "Raphaelshaus". Und das haben die Erzieher und Pädagogen jetzt auch schriftlich. Mit dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz hat das Raphaelshaus eine dreijährige Begleitforschung ihrer "Otmar-Alt-Gruppe" durchgeführt. Auf das Ergebnis ist Scholten stolz: "Auch im kritischen Vergleich mit ausgesuchten und ähnlich schwierigen Gruppen der Jugendhilfe haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt", sagt der 60-Jährige.
"Das Konzept, das wir für diese schwierige Zielgruppe entwickelt haben, zeigt ausgesprochen gute Wirkungen, die uns mit dieser externen und wissenschaftlichen Methodik attestiert wurden."
Otmar Alt
1940 geboren am 17. Juli in Wernigerode
1960 - 1966 Studium in Berlin
1967 - 1968 erste Ausstellungen
1982 der Film "Der Mann aus dem Rote-Grützeland" wird gedreht
1996 Gründung Otmar-Alt-Stiftung
1998 Bundesverdienstkreuz
2005 Verleihung des "Steiger Award", Bochum
Sieben sexuell auffällige und grenzüberschreitende Jungen unter 14 Jahren werden in der Otmar-Alt-Gruppe betreut. Drei Viertel von ihnen haben bereits einen Psychiatrie-Aufenthalt hinter sich. Scholten: "Neben der sexuellen Auffälligkeit liegen bei den Jugendlichen im Schnitt fast zwölf verschiedene weitere Problemlagen vor. Am häufigsten sind das aggressive Verhaltensweisen sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite – in Kombination mit hyperaktivem Verhalten. Die notwendige Kontrolle und Begleitung wird durch sieben pädagogische Fachkräfte und einen Lehrer gewährleistet."
Drei Jahre dauerte die Begleitforschung des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe. Das Fazit der Institus-Mitarbeiter: "Erneute sexuelle Übergriffe konnten trotz weiterhin stark vorhandener sexueller Auffälligkeiten wie beispielsweise einem sexuell geprägten Vokabular oder häufigen sexuellen Gesten sowie bei mehr als einem Viertel aller Jugendlichen vorliegenden abnormen sexuellen Phantasien (zum Beispiel über sexuellen Missbrauch oder sexuell geprägte Gewaltakte) vollständig verhindert werden. Die Rückfallwahrscheinlichkeit bei Abschluss der Hilfe wird von den Fachkräften insgesamt als gering eingeschätzt."
Und der Abschluss ist sehr schnell schon da: Die meisten Jungen sind nach einer zweijährigen Behandlung geeignet, in eine andere Gruppe des Raphaelshaus überzuwechseln oder auch externe Jugendhilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Ritterschlag für Scholten!
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