Theaternacht "Brot und Spiele" im Bullenstall (NGZ). "Herzlich willkommen im .....", begann Hans-Willi Schmidt seine Begrüßung als Conferencier mit Zylinder und rotem Schal auch am Samstag Abend in gewohnter Weise. Das Stammpublikum seines Galerie Theater-Ensembles konnte den Satz, den er mit so kunstvoller Pause unterbrach, ohne Mühe ergänzen: "..... im kleinsten Theater Europas" hatte er seine Gäste so manchen Abend in seinem Wohnzimmer an der Zonser Stadtmauer begrüßt.
Zehn Jahre und 15 Inszenierungen ist das Galerie Theater in diesem Jahr alt. Zum runden Geburtstag luden die Laienschauspieler ihr Publikum erstmals in den "Kunstraum Bullenstall", den umgebauten Stall im ehemaligen Landwirtschaftstrakt des Klosters, ein. Unter dem Motto "Brot und Spiele" standen an diesem Abend gleich drei Stücke, ein musikalisch-kabarettistisches Rahmenprogramm und ein reichhaltiges Buffet auf dem Programm. An langen Tischen in der rustikalen Atmosphäre des umgebauten Stalles fühlten sich die Zuschauer bis tief in die Nacht bestens unterhalten.
Den musikalischen Auftakt machte eine Trommelgruppe, die den Zuschauern kräftig rhythmisch "einheizte", und das, obwohl sich die Sorge um die Heizung in den neuen Räumen als unbegründet herausgestellt hatte. Die Auswahl der Inszenierungen, die das Ensemble für den Jubiläumsabend getroffen hatte, war nicht ganz zufällig: Mit dem ersten Stück "Ein Wort für das andere", einem kurzen parodistischen Drama des französischen Autors Jean Tardieu, hat die Geschichte des Galerie Theaters vor zehn Jahren begonnen. Damals traten die Schauspieler im großen Atelier des Knechtstedener Kunstvereins Galerie Werkstatt, dem sie bis heute eng verbunden sind, erstmals vor Publikum.
Der Kunstverein hatte damals zunächst nur die Idee, die Theatermaske in seinem Logo mit Leben zu füllen. "Zum Glück habe ich dann eine Reihe von Leuten gefunden, die genauso verrückt sind wie ich", erinnerte Hans-Willi Schmidt an die Anfänge. Er selbst stand am Samstag Abend neben Heidi Ruetz, Ulli Daege und Meike Brass noch einmal in seiner Rolle als umschwärmter Liebhaber auf der Bühne. Mit dem zweiten Drama "Höchste Eisenbahn" von Fitzgerald Kusz erlebten die Zuschauer dann eine Wiederaufnahme aus dem Jahr 1995. Das Zweipersonenstück kam auch bei den erfahrenen Galerie Theater-Besuchern trotz Wiederholung gut an.
Aus jüngeren Tagen datierte die letzte und längste Inszenierung des Abends. 1999 stand die "Offene Zweierbeziehung" von Franca Rame und Dario Fo auf dem Spielplan in Zons. Einmal mehr erlebte das Publikum das tragikomische Dilemma institutionalisierter ehelicher Untreue auf der Bühne. Während der Spielpausen sorgten zwei ebenfalls in Dormagen nicht unbekannte Gastensembles für den guten Ton: die Gruppe "Herrencreme" und die Instrumentaltruppe "Vielsaitig".
Erstere hatten zwar mit technischen Problemen zu kämpfen, versprachen jedoch im kommenden Theatersommer bestens ausgerüstet wieder zu kommen. Bassist Thomas Hofer bekannten die Zuschauer bereits in der Rolle des Requisiteurs im Einmannstück "Die Sternstunde des Josef Bieder", mit dem er im Galerie Theater zu Gast war. Nach gut vier Stunden Bühnenprogramm ging die Theaternacht schließlich zu Ende. Eine Wiederholung ist zur Eröffnung des ersten Knechtstedener Theatersommers vom 28. Juni bis zum 15. September, dann in der neuen Theaterscheune. Silvia Fehse
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