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Wenn lüften nicht mehr hilft: Schimmel breitet sich aus

VON PETRA SCHIFFER - zuletzt aktualisiert: 17.07.2009 - 21:43

Wenn lüften nicht mehr hilft (NGZO). Feuchte Wände und schädliche Flecken treten in Wohnungen nicht mehr nur im Winter auf. Der Mieterverein beschäftigt sich in Dormagen mit 350 Fällen im Jahr und spricht von einem flächendeckenden Problem.

In der Wohnung von Miriam und ihrem Freund in Horrem haben Sachverständige auf der Suche nach weiteren Schimmelecken an vielen Ecken – hier im Schlafzimmer – die Tapete von der Wand gelöst.   Foto:  H. Jazyk
In der Wohnung von Miriam und ihrem Freund in Horrem haben Sachverständige auf der Suche nach weiteren Schimmelecken an vielen Ecken – hier im Schlafzimmer – die Tapete von der Wand gelöst. Foto: H. Jazyk

Miriam (24) und ihr Freund hatten sich so auf ihre erste gemeinsam Wohnung gefreut – und lange nach dem perfekten Heim gesucht. Vermeidlich fanden sie es in einer ruhigen Wohnlage in Horrem, gaben ihre Wohnungen in Rheinfeld und Straberg auf, renovierten, übernahmen die Küche und zogen zum 1. Dezember 2008 ein. Die Begeisterung hielt nicht lange. Bereits vier Wochen nach dem Einzug entdeckten sie, dass die Fugen im Bad überstrichen waren und darunter hässliche dunkle Punkte zu sehen waren. Weitere Schimmelecken fanden sie kurze Zeit später im Schlaf- und im Arbeitszimmer. Sie schrieben die Vermieterin, die Dormagener Baugenossenschaft, an – und bekamen Wochen später die Antwort, sie würden nicht ausreichend lüften und hätten die Schäden selbst verschuldet. Kein Einzelfall, sagt Anja Reinold-Kapff, Beraterin beim Dormagener Mieterverein, sondern ein Problem, das inzwischen hunderte Haushalte im Stadtgebiet beschäftigt.

Info

Mieterverein

Der Dormagener Mieterverein ist unter der Telefonnummer 0 21 33 / 46 2 79 erreichbar. Nähere Infos unter www.mieterverein-dormagen.de

"Es gibt in der Tat immer wieder Schimmelbefall in Wohnungen", bestätigt Hans Schäfers, Vorstand der Dormagener Baugenossenschaft. Bei gestiegenen Preisen für Heizkosten ließen viele Mieter die Fenster geschlossen, statt richtig zu lüften. "Besonders im Bad, in der Küche und im Schlafzimmer sammelt sich Feuchtigkeit, die sich in den Wänden festsetzt", sagt Schäfers. Eingesetzte Luftfeuchtigkeitsgeräte zeigten an, wenn nicht ausreichend gelüftet werde. Bei 90 bis 95 Prozent der Schimmel-Fälle habe der Mieter dieses Problem durch sein Verhalten selbst verschuldet. Die Genossenschaft informiere bei jedem neuen Mietvertrag mit einer Broschüre, auch in türkischer und russischer Sprache, über richtiges Lüften und Heizen.

Die Einschätzung, dass ein Teil der Mieter mit Schimmelwänden in der Wohnung falsch heizt und lüftet, teilt Reinold-Kapff. Allerdings sei das nur eine Begründung für das zunehmende Problem, und eine, die die Verantwortung allein auf den Mieter schiebe. "Es gibt in Dormagen, vor allem in Horrem, einen größeren Bestand von Wohnungen, die in den sechziger Jahren gebaut worden sind", sagt sie. Jahrzehnte später seien moderne Fenster eingesetzt worden, die zur Isolation der alten Gebäude nicht passten. Gerade in diesen Bauten neigten die Wohnungen wegen des fehlenden Wärme- und Luftaustauschs dazu zu schwitzen – "egal, wie oft der Mieter lüftet." Nicht selten komme die Feuchtigkeit auch durch die Wände von außen. Und damit sei der Vermieter in der Pflicht zu sanieren. "Leider versuchen viele Wohnungseigentümer, diese Investitionen zu umgehen und die Schuld auf den Mieter abzuwälzen", sagt sie. – Die Beschreibung des Mietervereins bestätigt Miriam. "Wir sind beide berufstätig", erzählt sie. "Wenn wir abends nach Hause kommen und die Fenster geschlossen waren, läuft das Wasser an den Fenstern herunter, auch wenn wir morgens und abends richtig lüften."

"Zu Einzelfällen nehmen wir keine Stellung", sagt Schäfers. Sobald die Genossenschaft jedoch feststelle, dass eine Sanierung notwendig sei, werde sofort investiert. Der Mieterverein hat andere Erfahrungen gemacht. "Oft müssen sich die Mieter auf langwierige Verfahren einstellen", sagt Reinold Kapff. Die Chancen, vor Gericht zu gewinnen, seien zwar nicht schlecht. Trotzdem sei eine solche Auseinandersetzung nicht jedermanns Sache. Sie rät, sobald Schimmel in der Wohnung entdeckt wird, den Vermieter zu informieren und die Miete zu kürzen. So werde der Vermieter gezwungen, sich mit dem Problem auseinander zu setzen. "Wenn beide Seiten kooperativ sind, kannmeistens sehr schnell eine gute Lösung gefunden werden", so die Beraterin.

Miriam und ihr Freund haben sich für einen anderen Weg enschieden. Er leidet unter Asthma, das in den vergangenen Monaten deutlich schlechter geworden ist, und will so schnell wie möglich ausziehen. "Wir sind wieder auf Wohnungssuche", sagt die junge Frau. "Und dieses Mal schauen wir bei der Übergabe genauer hin."

Quelle: RP

 
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