Dormagen (NGZ). Nievenheim Der Mann sieht aus wie frisch aus dem Werbespot entsprungen: schwarz-weiß-karierte Hose, weißer Kittel, weiße Bäckerhaube, Brille, begeistert funkelnde Augen. Und ein Gesicht, das sich in tausend Lachfältchen legt, wenn er über Schokolade spricht: Nein, Josef Amel ist nicht der „Maitre Chocolatier“ aus der Lindt-Werbung, auch wenn die Ähnlichkeit wirklich verblüffend ist.
Der Nievenheimer ist gelernter Schokoladenmacher und Bonbonkocher, der 50 Jahre lang in den Diensten der Kölner Firma Stollwerck stand und für die Produktentwicklung und Qualitätskontrolle in Schokoladenfabriken in der ganzen Welt zuständig war.
1993 baute er das Schokoladenmuseum in Köln mit auf - und ist bis heute einer seiner kreativen Köpfe: Er erfüllt nicht nur süße Sonderwünsche aller Art, sondern hat auch die Form der aktuellen Schoko-Weihnachtsmänner entworfen, die zur Zierde fast lebensgroß in den Hallen des Kölner Museums stehen. „Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt Amel. „Denn Schokolade macht glücklich.“ Und offensichtlich hält sie auch fit, denn Amel ist inzwischen 69 Jahre alt.
Vollmilchbraun mit weißem Bart, weißen Augenbrauen und weißem Pelzbesatz an Jacke und Mütze, Gürtel und Stiefeln aus Zartbitterschokolade und einer filigran gearbeiteten Jacke, die zart-schmelzende Falten wirft - so sieht die süße Vision des Weihnachtsmannes von Amel aus.
Gemeinsam mit der Marketingabteilung des Schokoladenmuseums entwirft er regelmäßig neue Formen wie den braun-weißen Fußball zur WM. Ein Renner ist der schokoladenmassive Kölner Dom, für den die Besucher bereit sind, richtig Geld auszugeben. „Die Deutschen lassen sich Schokolade wieder etwas kosten und legen viel Wert auf Qualität“, sagt der Nievenheimer, der in seinem Berufsleben mehr als einen Trend er- und überlebt hat.
Schon als Kind liebte Josef Schokolade. „In Nievenheim habe ich nach dem Krieg den amerikanischen Soldaten angeboten, ihr Kochgeschirr zu spülen, dafür gab es Canbury-Schokoladen“, erinnert sich Amel, dessen Eltern die Gaststätte Mehl betrieben, die seine Schwester bis heute weiterführt. Schnell entwickelte sich der Schokoladenfan zum Experten, schmeckte die Karamel-Note bei Stollwerck oder den milchigen Geschmack bei Milka heraus.
„Jede Schokoladenmarke hat ihren Hausgeschmack, der das Geheimnis des Unternehmens bleibt“, weiß Amel. Dennoch wollte er zunächst einen „seriösen“ Beruf ergreifen und bewarb sich bei der Bundesbahn. Doch seine Augen waren zu schlecht, er wurde abgelehnt - und hat es nie bereut. Denn er begann seine Ausbildung bei Stollwerck - und der Beruf wurde zur Berufung.
1961 machte er die Meisterprüfung zum Süßwarentechniker. Als Hans Imhoff 1970 die Stollwerck-Gruppe übernahm, wurde Amel seine rechte Hand. Er kontrollierte Schokoladenfabriken in Russland, Ungarn und Polen, erklärte Chinesen, wie eine Conchier-Maschine funktioniert.
Und er war für die Entwicklung neuer Produkte zuständig - und seiner Zeit nicht selten voraus. „Als ich vor Jahren vorgeschlagen habe, Schokolade mit Chili zu würzen, haben mich meine Kollegen für verrückt erklärt, heute ist das das Non-Plus-Ultra“, erzählt Amel. Früh experimentierte er auch mit Edelkakao-Sorten und hohem Kakaoanteil. Seine Lieblingsschokolade war jahrelange die „schwarze Herrenschokolade“ von Stollwerck.
„Man muss handwerkliches Geschick haben, ein bisschen phantasieren können und Experimente wagen, dann wird man ein guter Schokoladenmacher“, verrät der Nievenheimer sein Erfolgsrezept. Im Kommen sind nach seiner Einschätzung Kardamon-Gewürze, Schwarztee-Trüffel und Schokolade mit Käsefüllung.
Seit 2002 ist Josef Amel offiziell Rentner. Inoffiziell ist er der Star der Schokoladenmuseums - nicht nur weil sein Aussehen als „Maitre Chocotalier“ perfekt passt, seit Lindt Anfang des Jahres im Museum eingestiegen ist. „Stollwerck hat gute Schokolade gemacht, aber Lindt gehört zu den Qualitätskönigen, und ich bin froh, dass ich diesen Wechsel noch hautnah miterleben darf“, sagt der Nievenheimer.
Er ist der Mann für die Spezialaufträge. Einer farbigen Kunststudentin aus London erfüllte er ihren Wunsch, ihren Oberkörper in Schokolade zu gießen. Und Olly will seiner Freundin Elli im Schokomuseum auf einer Fünf-Kilo-Platte aus weißer Schokolade einen schriftlichen Überraschungs-Heiratsantrag mit Zartbitter-Buchstaben machen.
Die Vorbereitungen für süße Aufträge dieser Art trifft Amel übrigens auch zu Hause: Im heimischen Keller in Nievenheim stehen neben der handwerklichen Grundausrüstung eine Schokoladenwanne und etliche Formen. Wie lange der Schokoladenmeister noch arbeiten will? „Solange ich mich bewegen kann. Ein Leben ohne Schokolade ist für mich nur sehr schwer vorstellbar“
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